Die Isolierstation einer Klinik in Manaus - die Zahl der Patienten steigt stetig.
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Binnen 24 Stunden schnellte die Zahl der registrierten Neuinfektionen auf 20 803 hoch, mehr als 1000 Patienten starben. Brasilien ist zum weltweiten Epizentrum der Corona-Pandemie geworden – für die Caritas sind die explodierenden Fallzahlen „außer Kontrolle“, doch der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro will trotz allem so schnell wie möglich Lockerungen im Land.

Brasilien auf zweitem Platz bei weltweiten Infektionsraten

330 890 Infektionen hat Brasiliens Gesundheitsministerium insgesamt registriert, mindestens 21 048 Menschen starben. Damit liegt das südamerikanische Land etwa gleichauf mit Russland auf dem zweiten Platz weltweit – hinter den am härtesten durch das Virus betroffenen USA.

Ein Mann arbeitet in einem Massengrab auf dem Friedhof Nossa Senhora Aparecida in Manaus. In Brasilien sind mehr als 21 000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.
Foto: Lucas Silva/dpa

Südamerika sei „zu einem neuen Epizentrum der Krankheit geworden“, drückte WHO-Experte Michael Ryan die Sorge der Weltgesundheitsorganisation aus. „Brasilien ist derzeit eindeutig am stärksten betroffen“, so Ryan weiter. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt, weil in Brasilien vergleichsweise wenig getestet wird.

Präsident Bolsonaro drängt auf Lockerungen

Präsident Jair Bolsonaro ist jedoch nicht willens, die Pandemie ernsthaft zu bekämpfen, sondern befeuert diese vielmehr mit einer wirren Corona-Politik und riskiert damit wohlwissend Menschenleben. So empfiehlt das Gesundheitsministerium das umstrittene Malaria-Medikament Hydroxychloroquin zur Behandlung von Corona-Patienten. Dabei ergaben neue Studien der Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich, dass das Mittel bei schweren Verläufen der Krankheit die Sterblichkeit sogar erhöht. Gegen Bolsonaro selbst haben mehrere Oppositionsparteien einen Antrag auf Amtsenthebung eingereicht – wegen Verbrechen im Amt. Er soll die Ausbreitung der Pandemie gefördert und damit Menschenleben riskiert haben, berichtet die Tageszeitung „Estado de São Paulo“.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte die Corona-Pandemie als "kleine Grippe" und "Fantasie" heruntergespielt.
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Bolsonaro hatte die Pandemie mehrfach als „kleine Grippe“ und „Fantasie“ bezeichnet und sich den von den Gouverneuren verhängten Quarantäne-Maßnahmen widersetzt. Und ungeachtet der dramatischen Infektionszahlen drängt der Rechtspopulist auf Lockerungen der von den Bundesstaaten angeordneten Beschränkungen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Indigene Gruppen besonders betroffen

„Die afrobrasilianischen und indigenen Bevölkerungsgruppen leiden am meisten unter dieser verantwortungslosen Regierungsführung“, kritisiert Claudio Moser vom Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes. In den Favelas der Großstädte sterben im Verhältnis zu anderen Bevölkerungsgruppen überproportional viele Menschen an den Folgen von Covid-19. Mit im Zentrum der Pandemie steht die Stadt Manaus im Amazonas, wo mit 2800 Todesfällen im April drei Mal so viele Menschen starben wie in den Vergleichsmonaten der letzten Jahre. Überdurchschnittlich betroffen sind wiederum die Indigenen, die bei einer Erkrankung besonders gefährdet sind.