Boris Johnson bei einem Besuch eines Krankenhauses im Osten Londons. Foto: Evening Standard/Jeremy Selwyn/PA Wire/dpa

Optimistisch und wortgewaltig, so kennen die Briten ihren Premier. Nach einem Jahr im Amt äußert sich Boris Johnson aber eher vorsichtig – und gibt sogar Fehler zu.

„Natürlich gibt es Dinge, die wir falsch gemacht haben“, sagte Johnson (56) dem Nachrichtensender Sky News über seinen Kurs in der Corona-Pandemie. Großbritannien ist das am stärksten betroffene Land in Europa. Experten werfen der Regierung vor, spät und falsch reagiert zu haben. Sogar Johnson selbst musste nach einer Infektion auf die Intensivstation.

„Wir haben (das Virus) in den ersten Wochen und Monaten nicht in der Art und Weise verstanden, wie wir das gerne getan hätten“, so Johnson weiter. Vor allem das Ausmaß der Übertragung durch Menschen, die keine Symptome zeigten, sei unterschätzt worden. Auf die Frage, ob Ausgangsbeschränkungen und andere Maßnahmen zu spät gekommen seien, antwortete Johnson ausweichend. Es handle sich um „offene Fragen“ unter Wissenschaftlern.

Dennoch dürfte das Schlimmste „Mitte nächsten Jahres“ vorbei sein, verspricht Johnson jetzt. Kürzlich hatte er noch eine Rückkehr zur Normalität bis Weihnachten vorhergesagt.

Nicht das erste Mal, dass sich der Premier fatal irrte: Zum Amtsantritt als Nachfolger von Theresa May versprach er seinen Landsleuten vor einem Jahr einen schnellen EU-Austritt zum 31. Oktober 2019. Doch erst 1317 Tage nach dem Brexit-Referendum verließ Großbritannien Ende Januar die EU. Die Gespräche mit Brüssel über einen neuen Handelspakt kommen seitdem kaum voran. Eine Verlängerung der Übergangsphase, die bis Ende des Jahres dauert, lehnte der konservative Premier jedoch strikt ab. Es droht ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen. Und auch aus dem schnellen Handelsabkommen mit den USA wird wohl vorerst nichts.

Weiteres Problem: Eine knappe Mehrheit der Schotten fordert die Abspaltung vom Vereinigten Königreich – nicht zuletzt wegen Johnson. Und erstmals hielt die Mehrheit der Briten in einer Umfrage den Oppositionschef Keir Starmer mit 37 Prozent für einen besseren Regierungschef als Johnson (35 Prozent). Es scheint, als ob Johnson, der sich schon als Junge wünschte, einmal „König der Welt“ zu sein, bald kein Königreich mehr hat.