Boris Johnson, zunächst etwas erschüttert, will Premierminister bleiben. Pa/PA Wire/dpa

Es war eine Art Sieg: Der britische Ministerpräsident Boris Johnson überstand am Montagabend zwar ein Misstrauensvotum seiner konservativen Tory-Fraktion, aber nur mit  211 zu 148 Stimmen. In der Öffentlichkeit und den Medien wird das Ergebnis eher als Niederlage gesehen.

Johnsons Vize Dominic Raab fand das Abstimmungsergebnis toll für seinen Chef. AP Photo/Kirsty Wigglesworth

Mit mehr als 40 Prozent Gegenstimmen in der eigenen Unterhausfraktion fuhr Johnson ein schlechteres Ergebnis ein als seine Vorgängerin Theresa May 2018 auf dem Höhepunkt der Brexit-Querelen.

May sah sich rund ein halbes Jahr nach dem überstandenen Misstrauensvotum zum Rücktritt gezwungen, und so könnte es auch Johnson gehen, der jetzt noch von einem „guten Ergebnis“ der Abstimmung tönte.

Ein Sieger mit Beulen

Mit wenigen Ausnahmen lasen sich die Schlagzeilen britischer Zeitungen am Dienstag verheerend: „Ein verwundeter Sieger“, titelte die Times, „Hohler Sieg zerreißt die Tories“, hieß es auf der Frontseite des Daily Telegraph – beides sind konservative Blätter. Im linksliberalen Guardian war zu lesen: „Johnson klammert sich an Macht trotz Abstimmungs-Demütigung.“ Das Krawallblatt Sun erklärte Johnson für lädiert und erinnerte an das politische Schicksal von Theresa May.

Auslöser für das Misstrauensvotum war die Partygate-Affäre um illegale Feiern während der Corona-Lockdowns in der Pandemie.

Die Debatte über Johnsons Führungsrolle dürfte nicht abreißen. Schon am 23. Juni sollen in zwei  Wahlkreisen Nachwahlen stattfinden. In beiden wird mit einer Niederlage für die Tories gerechnet.

Verantwortlich gemacht werden dürfte dafür der Parteichef, der inzwischen längst nicht mehr als Garant für einen Wahlerfolg, sondern immer mehr als Belastung für die Partei gilt.

Ausschuss prüft: Hat Johnson gelogen?

Hinzu kommt, dass ein Ausschuss im Parlament derzeit prüft, ob Johnson in der Affäre absichtlich die Unwahrheit gesagt hat, als er anfangs behauptete, es habe keinerlei Partys gegeben.

Positiv für Johnson wirkt sich aus, dass es bisher keinen klaren Favoriten für seine Nachfolge gibt. Ihren Hut in den Ring geworfen haben Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt sowie der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Tom Tugendhat. Auch Außenministerin Liz Truss rechnet sich dem Vernehmen nach Chancen aus.