Eine afghanische Mutter füttert zwei schwer unterernährte Säuglinge in einem Krankenhaus in Kabul. Für Kinder ist Afghanistan eines der gefährlichsten Länder der Welt.
Eine afghanische Mutter füttert zwei schwer unterernährte Säuglinge in einem Krankenhaus in Kabul. Für Kinder ist Afghanistan eines der gefährlichsten Länder der Welt. dpa/Oliver Weiken

Bombenhagel und Gewalt gehören für sie zum traurigen Alltag, und jederzeit ist ihr Leben bedroht: 449 Millionen Mädchen und Jungen wachsen weltweit inmitten von bewaffneten Konflikten auf. 

230 Millionen Kinder leben in Kriegsgebieten

Damit ist jedes sechste Kind betroffen, im Nahen Osten sogar jedes dritte Kind. Mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen – 230 Millionen – müssen sogar in einem besonders gefährlichen Kriegsgebiet ausharren, wie der aktuelle Bericht „Krieg gegen Kinder“ von Save the Children und dem Osloer Friedensforschungsinstitut PRIO zeigt. Das waren neun Prozent mehr als noch im Vorjahr. Am größten ist die Gefahr laut Bericht für Kinder im Jemen, in Afghanistan und in der Demokratischen Republik Kongo. Und es sind die Kinder, die am schlimmsten unter Krieg und Hunger leiden.

24.515 schwere Verbrechen an Kindern wurden 2021 verzeichnet

„Jeden Tag werden Mädchen und Jungen getötet, verletzt oder misshandelt. Diese Brutalität hat schreckliche körperliche und seelische Folgen für Kinder. Sie zahlen einen viel zu hohen Preis“, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children. „Kein Verbrechen an Kindern darf ungestraft bleiben!“

Der Krieg im Jemen zwingt die Menschen in die Flucht, wie diese jemenitischen Kinder in einem Lager verlieren Tausende ihr Zuhause.
Der Krieg im Jemen zwingt die Menschen in die Flucht, wie diese jemenitischen Kinder in einem Lager verlieren Tausende ihr Zuhause. dpa/XinHua/Mohammed Mohammed

Für den Bericht werteten Kinderschützer und Forscher die schwersten Verbrechen an Kindern aus. Dazu zählen Entführungen, sexualisierte Gewalt und Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser. 24.515 solcher schweren Verbrechen an Kindern wurden 2021 verzeichnet. Das ist zwar der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Doch häufig werden laut Save the Children derartige Vergehen nicht gemeldet, weil der Zugang zu betroffenen Gebieten schwierig bis unmöglich ist.

Die finanzielle Hilfe in den zehn gefährlichsten Konfliktregionen ist dagegen viel zu niedrig. Bis Anfang November 2022 war der Bedarf für humanitäre Hilfe in diesen Staaten nur zu 43 Prozent gedeckt. Für Syrien waren sogar nur 27,5 Prozent sichergestellt.

Die Finanzierung der Ukraine-Hilfe (68,1 Prozent) ist aber ein Hoffnungszeichen auch für die „vergessenen“ Krisen, denn ist der politische Wille da, kann Hilfe schnell und effektiv zu den Kindern gelangen, so Westphal. „Die Millionen Kinder, deren Schicksale nicht die Schlagzeilen bestimmen, dürfen nicht vergessen werden. Die Weltgemeinschaft muss alle Kinder schützen.“