Kinder in einem Vorort von Pjöngjang: Regime will Bürger zu „patriotischen“ Namen zwingen.
Kinder in einem Vorort von Pjöngjang: Regime will Bürger zu „patriotischen“ Namen zwingen. Imago/ITAR-TASS/Alexander Demianchuk

Zwischenzeitlich hatte es in Nordkorea ein kleines Tauwetter gegeben. Die Beziehungen zu Südkorea hatten sich entspannt, das Land öffnete sich ein wenig. Doch in den vergangenen Monaten kehrte das Schreckensregime wieder vermehrt zur frühere Politik der Abschottung zurück.

Das schlägt sich nun auch wieder in der Namenspolitik des stalinistischen Regimes in Pjöngjang wieder. Hatte der Staat zwischenzeitlich freundliche und wohler klingende Namen wie A Ri (geliebte Person), Su Mi (besondere Schönheit) oder So Ra (Muschelschale) befürwortet, so drehte sich die Präferenz laut Recherchen des Radiosenders Radio Free Asia nun komplett.

Nordkorea will Bürger zu radikalen Namen zwingen

So würden die Behörden in Nordkorea die Bürger dazu anhalten, den Kindern „patriotische“ Namen zu geben. Zu denen würden beispielsweise „Tschung Sim“ (Treue), „Tschong Il“ (Waffe), „Pok Il“ (Bombe) or „Ui Song“ (Satellit) gehören. Der Sender beruft sich dabei auf Quellen in der nordkoreanischen Diktatur. 

Die „patriotischen“ Namen seien auch vorher schon populär gewesen. Die Behörden hätten in den vergangenen Jahrzehnten zudem solche Namensgebungen gefördert. Durch eine zwischenzeitliche Öffnung des kommunistischen Regimes und die vorsichtige Annäherung an Südkorea, habe man die positiven Signale auch in der Namensgebung geduldet. Auch seien die wohlklingenderen Namen leichter auszusprechen, da sie auf weichen Vokalen enden. Sie orientieren sich damit jedoch an südkoreanischen Namen.

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Nordkoreanisches Propaganda-Plakat: Südkoreanische Vornamen seien „Zeichen der dekadenten Yankee-Kultur“.
Nordkoreanisches Propaganda-Plakat: Südkoreanische Vornamen seien „Zeichen der dekadenten Yankee-Kultur“. Imago/UIG

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Südkoreanische Namen seien „Kopie der dekadenten Yankee-Kultur“

Doch in den vergangenen Monaten gingen die Behörden der Steinzeit-Diktatur nun dazu über, Bürgern mit einem weicheren Namen zu einem Namenswechsel zu zwingen. Auch Kinder sollen demnach solche Namen erhalten, wenn deren Namen nicht „revolutionär“ genug seien. Südkoreanische Namen seien eine „Kopie der dekadenten westlichen Yankee-Kultur“, gibt das Regime an.

„Anwohner beschweren sich darüber, dass die Behörden die Menschen zwingen, ihre Namen gemäß den vom Staat geforderten Standards zu ändern“, zitiert der koreanische Dienst von Radio Free Asia einen Bewohner der Provinz Nord-Hamgyong. Das Regime droht deshalb mit Strafen.

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Bürger protestieren leise gegen irrsinnige Vorschriften des Regimes

„Seit letztem Monat wurden bei der Einwohnerversammlung der Nachbarschaftswache ständig Mitteilungen herausgegeben, um alle Namen ohne Endkonsonanten zu korrigieren. Menschen mit Namen, die keinen Endkonsonanten haben, haben bis Ende des Jahres Zeit, ihrem Namen politische Bedeutungen hinzuzufügen, um revolutionäre Standards zu erfüllen“, sagte der Mann weiter. Laut dem Bericht seien die Behörden mittlerweile sogar soweit gegangen, einzelne Bürger bloßzustellen, deren Namen sie als „anti-sozialistisch“ erachten.

Doch selbst in der stalinistischen Diktatur scheinen sich Menschen gegen die Übergriffe des Staates in die Namensgebung zu wehren. So sollen einige Bewohner gefragt haben, ob sie denn den Kindern „einen passenden Namen für die gegenwärtige Zeit des Hungers und der Unterdrückung geben sollten“, heißt es. 

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Auch gebe es leisen Protest, in dem die Bewohner mitunter fragen: „Wie kann es Menschen nicht erlaubt sein, sich selbst einen Namen zu geben? Sind wir eigentlich mechanische Teile oder Vieh?“