Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wehrte sämtliche Vorwürfe ab. imago/Political-Moments

Der Skandal um den Kauf minderwertiger Corona-Masken durch den Bund zieht immer weitere Kreise: Mehrere Bundesländer haben Millionen Masken aus dem Verkehr gezogen, die ihnen der Bund im vergangenen Jahr zur Verfügung gestellt hatte, wie der NDR berichtete.

Länder schicken Millionen Masken zurück

Schleswig-Holstein habe vier Millionen Schutzmasken zurückgeschickt, weil sie die FFP2-Norm nicht erfüllt hätten. Niedersachsen will dem NDR-Bericht zufolge jetzt ebenfalls vier Millionen Masken an den Bund zurückgeben und Baden-Württemberg zog laut Spiegel 4,6 Millionen Masken aus dem Kontingent des Gesundheitsministeriums von Minister Jens Spahn (CDU) nach Tests aus dem Verkehr.

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230 Millionen Masken dieses Typs wurden insgesamt an die Länder ausgeliefert. Und wie Spiegel berichtet, landeten offenbar hochriskante Spahn-Masken in Pflegeheimen und Schulen, bei Tafeln für Bedürftige, in der Obdachlosenhilfe und in Werkstätten für behinderte Menschen. Und in einem Fall in Schleswig-Holstein könnten die unzertifizierten Schutzmasken sogar schuld an einem tödlichen Corona-Ausbruch gewesen sein.

33 Corona-Infizierte in Altenheim

Denn kurz nach der Lieferung der Masken im Dezember erschütterte im Januar ein Corona-Ausbruch die Pflegeeinrichtung „Bergheim“ in Boostedt. 33 Menschen infizierten sich, fünf Bewohner starben.

Tests der Masken hätten dann ergeben, dass keine die geforderten 95 Prozent Partikel herausfilterten, der schlechteste Wert habe bei 79 Prozent gelegen. Und Anfang Februar warnte das Gesundheitsministerium in Kiel schließlich selbst auf seiner Webseite davor, die Masken zu benutzen.

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„Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet Herr Spahn unbrauchbare Masken verschicken lässt“, sagt Irini Aliwanoglou von der Paritätischen Pflege SH gegenüber Spiegel und wünscht sich eine Entschuldigung bei den Hinterbliebenen. Es sei nicht auszuschließen, dass der minderwertige Mundschutz den Corona-Ausbruch verschuldet habe.

Gesundheitsministerium wiegelt ab

Das Bundesgesundheitsministerium weist jegliche Schuld von sich. „Nach allen vorliegenden Informationen“ bestehe „kein Zusammenhang“ zwischen diesen Todesfällen und den Bundesmasken, zitiert der Spiegel.

Das Spahn-Ministerium verwies am Freitag erneut darauf, dass wegen damals nicht vorhandener EU-zertifizierter Masken auf dem Markt andere Masken beschafft worden seien – deswegen könnten sie auch nicht EU-zertifiziert sein. Sie seien aber nach einem für die Pandemie entwickelten Verfahren für Infektionsschutz-Zwecke geprüft worden.