Die Bochumer Reinigungskraft Susanne Holtkotte bei „Hart aber fair“ WDR Kommunikation/Redaktion Bild

Die Gaspreise haben sich schon mehr als verdoppelt, der Sprit kostet so viel wie nie und nun ziehen auch die Kosten für Lebensmittel massiv an. Gutverdienende registrieren dies mit einem Schulterzucken, aber richtig hart trifft es Geringverdiener wie Susanne Holtkotte. Die Bochumer Reinigungskraft liest Politikern schon seit Jahren die Leviten, wenn diese die Situation von kleinen Leuten nicht ausreichend berücksichtigen.

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Am Montagabend ging es wieder heiß her im ARD-Talk mit Frank Plasberg „Hart aber fair“. Eingeladen neben Susanne Holtkotte auch: Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Das hitzig diskutierte Thema neben den Energiepreisen: Wie verringern wir die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl? Die Ökonomin Kemfert bringt ihre Position auf den Punkt: „Autofreier Sonntag wäre ein guter Ansatz, Tempolimit auch. Im Winter mal die Heizung zwei Grad runterdrehen.“

Heizung runterdrehen, auf Russen-Gas verzichten und Pulli überstreifen: Stoppt das den Ukraine-Krieg?

Die Annahme: Uns geht es eigentlich zu gut, die Wohnungen sind überheizt. Statt sich im T-Shirt auf der Couch zu fläzen, kann man doch auch mal einen Pulli überstreifen! So würde man laut Kemfert ein wirtschaftspolitisches Ziel unterstützen: „Dann können wir auf bis zu 15 Prozent der russischen Gaslieferungen verzichten.“ Der Ukraine-Krieg hat uns gelehrt: Wir sind abhängig von einem Land, das sich aggressiv verhält, dessen Soldaten sogar gezielt auf Zivilisten schießen, Krankenhäuser und Kindergärten bombardieren.

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Die Abhängigkeit von russischem Gas macht auch uns verletzlich: Das Land hatte vor dem Krieg Gaslieferungen nach Deutschland und andere Länder künstlich verknappt, den Preis damit hochgetrieben. Der Krieg hat auch die Spritpreise massiv erhöht, obwohl die Ölpreise am Weltmarkt inzwischen längst wieder gesunken sind. Da ergibt es doch Sinn, zu verzichten, um einen Teil dazu beizutragen, dass wir weniger abhängig von Russen-Gas und -Sprit werden.

Kleinverdienerin Holtkotte sagt zu Gas-Verzicht: : „Wer soll denn noch sparen? Ich kann es nicht mehr“

Die Sache hat nur einen Haken: Sie geht an der Realität von Millionen Kleinverdienern völlig vorbei. Stellvertretend für sie antwortet Susanne Holtkotte: „Wer soll denn noch sparen? Ich kann es nicht mehr.“ Aus purer Not sind viele Haushalte nicht mehr in der Lage, richtig zu heizen: „Wenn ich meine Heizung noch mal um zwei Grad runterdrehe, brauche ich einen Pelzmantel.“ Kemfert redet sich nachfolgend in Rage, die Politik müsse für sozialen Ausgleich sorgen, Verzicht sei aber jetzt das Gebot der Stunde.

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Holtkotte reagiert kühl und verweist darauf, dass die Situation nicht allein Geringverdiener trifft: „Die ganze Unterschicht und die Mittelschicht spart sich schon heiß!“ Sie stört sich auch an der Wortwahl der Wissenschaftlerin: Diese Worte ‚Verzicht‘ und ‚Opfer‘, da bin ich sehr elektrisch!“