Gute Frage. Klar, aber was wählt man denn so? dpa

Entscheidungshilfe für Unentschlossene vor der Bundestagswahl: Am Donnerstag schaltet die Bundeszentrale für politische Bildung wieder ihren Wahl-O-Mat frei, über den Bürger testen können, welche Parteien und Positionen ihrer eigenen Haltung am nächsten sind.

Seit wann gibt es den Wahl-O-Mat? Erstmals wurde der Wahl-O-Mat bei der Bundestagswahl 2002 eingesetzt. Er wurde damals 3,6 Millionen Mal genutzt. Seitdem stieg die Zahl stetig. Bei der letzten Bundestagswahl 2017 wurde der bisherige Rekordwert von fast 15,7 Millionen Nutzungen erreicht. Auch für Landtagswahlen gibt es den Wahl-O-Mat. Online sind derzeit bereits die Angebote für die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, die wie die Bundestagswahl am 26. September stattfinden.

Ab wann und wie kann der Wahl-O-Mat genutzt werden? Am Donnerstag wird das Angebot für die Bundestagswahl ab 11.00 Uhr freigeschaltet. Im Internet sind die Angebote unter der Adresse www.wahl-o-mat.de abrufbar. Neben einer Version für den Browser gibt es auch eine App zum Herunterladen für Mobiltelefone mit Apple- oder Android-Betriebssystem.

Wie funktioniert das Angebot? Nutzer können anfangs auswählen, welche Parteien sie einbeziehen möchten. Möglich sind auch alle zur Bundestagswahl zugelassenen Parteien. Dies kann später aber auch nachträglich geändert werden. Danach werden 38 Thesen aus verschiedenen Politikfeldern beantwortet. Möglich sind die Antworten „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „These überspringen“.

Welches Ergebnis bekommt der Nutzer? Der Wahl-O-Mat errechnet am Ende den Grad der Übereinstimmung der eigenen Haltung mit den ausgewählten Parteien. Ein Balkendiagramm zeigt in Prozent, in welchem Ausmaß die Antworten insgesamt mit einer Partei übereinstimmen.

Werden die Themen unterschiedlich gewichtet? Das hängt vom Nutzer ab. Nach Beantwortung können Bereiche durch Anklicken doppelt gewichtet werden. Die Bundeszentrale verweist darauf, dass dadurch das Ergebnis genauer wird.

Was ist neu? Erstmals bei einer Bundestagswahl gibt es eine „Tuning“-Funktion. Sie erlaubt es auf einer Überblicksseite sowohl die Antworten auf die These als auch die Gewichtung durch Anklicken zu ändern, worauf sofort ein entsprechend geändertes Ergebnis dargestellt wird.

Wie werden die Themenfelder ausgewählt? Sie werden vier bis fünf Monate vor der Wahl bestimmt. In einem 35-köpfigen Team waren neben Vertretern der Bundeszentrale, Wissenschaftlern und Politikexperten auch 19 Erst- und Zweitwähler bis 26 Jahre vertreten. Sie dienten als „Korrektiv“, damit die Diskussion der Experten nicht zu abgehoben wird, sagt eine Sprecherin. Der Fokus bei der Auswahl liegt demnach auf Themen, in denen sich die Parteien unterscheiden. Deshalb würden Themen wie Weltfrieden nicht aufgegriffen, schließlich wollen das alle.

Gibt es Kritik am Wahl-O-Mat? Problematisch kann der Wahl-O-Mat für kleine Parteien sein, die sich auf einige wenige Themen konzentrieren und damit nicht die ganze Breite des Spektrums abdecken. Kritisiert wird auch, dass der Wahl-O-Mat nur auf die Versprechungen der Parteien in ihren Programmen setzt, die dann womöglich nicht eingelöst werden.

Gibt es Alternativen? Eine ganze Reihe, die jedoch auf ein ähnliches Prinzip wie der Wahl-O-Mat setzen. Der „Wahl-Swiper“ zum Beispiel, den das Kreativstudio Movact mit der Universität Freiburg entwickelt hat, erinnert dabei stark an die Flirt-App „Tinder“, denn Zustimmung oder Ablehnung zu einzelnen politischen Thesen signalisiert der User durch ein Wischen nach links oder rechts. „Wählen gehen ist so einfach wie Online-Dating“, heißt es dort auch dementsprechend.