Armin Laschet will Bundeskanzler werden.
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Nun also Armin Laschet. So will es die CDU-Führung, obwohl der kleine Mann vom Rhein eine große Last trägt: Miese Umfrageergebnisse sind nicht gerade der Turbo für seine Kanzlerkandidatur. 

Ein richtiges Profil scheint er nicht zu haben, in der Corona-Krise schneidet Laschets nicht gerade widerspruchsfreies Handeln beim Wahlvolk deutlich schlechter ab als das des eher kantigen Franken Markus Söder. 

Doch wer Laschet jetzt schon abschreibt, könnte daneben liegen. Katholisch, meist freundlich und gut gelaunt, aus dem fernsten Westen Deutschlands stammend und mit belgischen Ahnen, betreibt er ein Politik des Umgarnens und Umarmens. 

Dabei muss man im Kopf haben, dass aus dem Umgarnen ein Erdrosseln und aus dem Umarmen ein Erdrücken werden kann, und deshalb an eine andere Unterschätzte denken – Angela Merkel, die innerparteiliche Gegner und den großmauligen Gerhard Schröder zu deren großer Verblüffung ausmanövrierte, und deren Pragmatismus ebenfalls wenig „Profil“ verrät.

Die öffentliche Darstellung eines Politikers kann am Ende auch völlig an der Wahrnehmung in der Bevölkerung vorbeigehen, wie ein anderes Beispiel zeigt: Helmut Kohl. „Birne“ wurde durchgehend öffentlich verhöhnt, und dann hat der allmählich zum „schwarzen Riesen“ mutierte Ludwigshafener 16 Jahre lang regiert.

Die Chance Laschets könnte darin bestehen, dass er ein Gegenmodell wird zu den „Machern“, die ihre eigene Position in den Vordergrund stellen und damit Gefahr laufen, in Sackgassen zu geraten. So ein Modell ist in Corona-Zeiten nicht sehr populär, wo alle nach einer „Linie“ rufen, aber ebenso alle unterschiedliche „Linien“ fordern. Auf lange Sicht jedoch könnte es zu einem auskömmlichen politischen Miteinander in Deutschland führen.