Eine Puppe ihrer Enkelin fand Nila Zelinska in den Trümmern ihres Hauses bei Kiew, das bei einem russischen Angriff komplett zerstört wurde. AP/Natacha Pisarenko

Es ist ein bitterer Meilenstein, den Kremlchef Wladimir Putin setzt: Seit 100 Tagen tobt der von Russland entfesselte Angriffskrieg in der Ukraine. Seit 100 Tagen werden Soldaten und Zivilisten getötet und verletzt, Städte und Dörfer gnadenlos von den russischen Truppen zerbombt. Millionen Ukrainer flohen vor den Kämpfen in den Westteil der Ukraine und ins Ausland.

Der sinnlosen Gewalt, die die Bilder aus Kiew, Butscha und Mariupol zeigten, stehen die bescheidenen Gebietsgewinne gegenüber. Moskau kontrolliert inzwischen etwa 20 Prozent der Landfläche.

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Im Osten der Ukraine wehren sich die Truppen weiter gegen den Verlust der Großstadt Sjewjerodonezk, in der russische Truppen mit ihrer überlegenen Feuerkraft vorrücken. Die Stadt solle möglichst nicht aufgegeben werden, sagte Vize-Generalstabschef Olexij Hromow in Kiew.

Verwüstete Wohngebäude in Mariupol – die Stadt wurde zum Symbol der brutalen, sinnlosen Gewalt der russischen Truppen. imago/Vladimir Gerdo

Zermürbungskrieg brachte hohe Verluste auf beiden Seiten

Die russischen Truppen seien in 3620 Ortschaften der Ukraine einmarschiert, 1017 davon seien wieder befreit worden, zog Präsident Wolodymyr Selenskyj Bilanz des Krieges seit dem 24. Februar. „Weitere 2603 werden noch befreit werden.“ Zwölf Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer seien im Land auf der Flucht, fünf Millionen im Ausland. Russland habe über 30.000 Soldaten verloren, behauptete Selenskyj. Westliche Beobachter halten diese Zahlen jedoch für zu hoch.

Die Grafik zeigt Russlands Vorstoß in der Ostukraine dpa-infografik GmbH

Als ein Ziel von Putin wird immer wieder die komplette Eroberung der ostukrainischen Gebiete Luhansk und Donezk, des sogenannten Donbass, genannt. Das ist bisher nicht gelungen. Was auch an Waffenlieferungen aus dem Westen in Milliardenhöhe liegt.

Und auch der wirtschaftliche Druck auf Moskau wächst weiter. Am 100. Kriegstag beschloss die EU ihr inzwischen sechstes Sanktionspaket gegen Russland mit einem Öl-Embargo, wobei auf Druck aus Ungarn in letzter Minute der Putin-nahe russisch-orthodoxe Patriarch Kirill von der Strafliste gestrichen wurde.

UN-Generalsekretär Stoltenberg rechnet mit langem Krieg

Doch wie lange wird die russische Invasion noch dauern? Längst ist der Angriff zu einem Zermürbungskrieg geworden, in dem beide Seiten einen hohen Preis auf dem Schlachtfeld zahlten, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die meisten Kriege endeten am Verhandlungstisch. Das werde vermutlich auch in diesem Fall passieren, so Stoltenberg. Doch „wir müssen uns einfach auf eine lange Strecke einstellen.“ Ganz sicher ist für Amin Awad, den UN-Koordinator für die Ukraine nur eins: „Dieser Krieg hat und wird keinen Gewinner haben.“