2011 waren sich Biden, damals Vizepräsident, und Putin in Moskau begegnet.
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US-Präsident Joe Biden hält den russischen Präsidenten Wladimir Putin für einen Mörder. „Hmhm, das tue ich“, antwortete er auf eine entsprechende Frage während eines TV-Interviews mit dem Sender ABC.

Biden gab auch kund, dass er Putin einmal gesagt habe, er glaube, dass sein Gesprächspartner keine Seele habe. Putin habe geantwortet: „Wir verstehen uns.“ 

Anlass dieser Sätze in einem Interview über verschiedene Themen waren aktuelle Berichte von US-Geheimdiensten, dass Russland vor der Präsidentschaftswahl im November versucht habe, mit Desinformation insbesondere über soziale Medien den damaligen Amtsinhaber Donald Trump zu unterstützen.

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Biden sagte dazu, Putin werde dafür bezahlen. Er habe dem russischen Präsidenten bereits bei einem Telefonat im Januar mitgeteilt, dass es zu Reaktionen der USA kommen werde, wenn sich der damalige Verdacht der Einflussnahme bestätige. Das scheint nach den Geheimdienstinformationen so zu sein.

Welche Reaktionen das sein werden, führte Biden nicht weiter aus: „Sie werden es sehr bald sehen.“

Der US-Präsident schloss trotz seiner überaus deutlichen Einschätzung Putins nicht aus, dass es klug sei, in Fällen gemeinsamen Interesses zusammenzuarbeiten. Biden verwendete für „klug“ einen umgangssprachlichen Begriff - man könne „gleichzeitig gehen und Kaugummi kauen“.

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Was Biden dazu brachte, Putin als Killer zu bezeichnen, fragte der Interviewer nicht. Es dürfte aber so sein, dass Biden an die knapp gescheiterte Vergiftung des Oppositionellen Alexej Nawalny in Sibirien dachte, den Giftanschlag auf den Überläufer Sergej Skripal in England oder die Ermordung des Exil-Georgiers Zelimkhan Changoshwili in Berlin. Hinter allen Attentaten sollen russische Geheimdienste stecken, deren Taten von Putin gebilligt worden wären.

Aus Moskau gab es sofort eine Reaktion. „Putin ist unser Präsident und ein Angriff auf ihn ist ein Angriff auf unser Land“, schrieb der Präsident des russischen Unterhauses, Wjatscheslaw Wolodin, im Onlinedienst Telegram. Der einflussreiche Putin-Vertraute fügte mit Blick auf die Biden-Äußerungen hinzu: „Das ist Hysterie aufgrund von Machtlosigkeit.“

Zu möglichen neuen US-Sanktionen sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Parlaments-Ausschusses, Leonid Sluzki: „Auf alle einschränkenden Maßnahmen seitens der USA, zumal wegen solch ausgedachter Anlässe, finden wir eine deutliche und angemessene Antwort.“

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies zudem den US-Geheimdienstbericht zurück. Er sei „falsch, absolut unbegründet und haltlos“.  Russland habe sich weder in die US-Wahlen 2020 noch in die davor eingemischt. Eine derartige Behauptung schade nur „den ohnehin schon angeschlagenen russisch-amerikanischen Beziehungen“.