Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden hat mit 273 Wahlmännern die erforderliche Mehrheit. Foto: Paul Sancya/AP/dpa

Washington - Nach nur einer Amtszeit dürfte für Donald Trump Schluss im Weißen Haus sein. Nach Berechnungen von US-Medien hat sein demokratischer Herausforderer Joe Biden die historische Wahl in den USA gewonnen - nach einer beispiellosen Hängepartie. 

Die Nachrichtenagentur AP und mehrere US-Sender sahen am Samstag Biden nach dem Sieg im hart umkämpften Schlüsselstaat Pennsylvania nach Erhebungen und Prognosen bei 273 Wahlleuten und damit uneinholbar vor Amtsinhaber Donald Trump (213 Wahlleute), dazu soll Biden den Prognosen zufolge auch den Bundesstaat Nevada geholt haben. Für einen Wahlsieg braucht er mindestens 270 Wahlleute.

Überall im Land, wie hier in Philadelphia, feierten die Menschen Joe Bidens Wahlsieg.  Foto: AP/Rebecca Blackwell

Der Republikaner Trump hat allerdings in mehreren Bundesstaaten juristische Schritte gegen die Ergebnisse oder die weitere Auszählung abgegebener Stimmen eingeleitet. In einer ersten Reaktion teilte der US-Präsident bereits mit, er werde einen Sieg seines demokratischen Herausforderers nicht anerkennen. „Fakt ist: Die Wahl ist noch lange nicht vorbei“, erklärte Trump. Biden stelle sich „fälschlicherweise“ als Sieger dar und werde dabei von seinen „Medien-Verbündeten“ unterstützt.

Biden: „Geehrt und demütig“ über Wahl

„Geehrt und demütig“ reagierte Biden auf seinen Triumph. „Die Arbeit, die vor uns liegt, wird hart sein, aber ich verspreche euch: Ich werde ein Präsident für alle Amerikaner sein - ob ihr für mich gestimmt habt oder nicht“,  twitterte Biden.

Mit ihm geht nun wieder ein Berufspolitiker als Sieger der US-Wahl hervor, nachdem der Unternehmer Trump vor vier Jahren einen Überraschungssieg eingefahren hatte. Mit seinen 77 Jahren und fast fünf Jahrzehnten in der Politik ist Biden schon bei vielen Wahlen angetreten.

Doch einen solch erbitterten Kampf hat der weißhaarige Politik-Veteran noch nie durchstehen müssen. Und die von dem US-Demokraten ausgerufene „Schlacht um die Seele der Nation“ ist noch lange nicht gewonnen.

Trump erkennt Wahlsieg nicht an

Zum einen dürfte Trump sich mit aller Macht weiter am Weißen Haus festklammern. Der Rechtspopulist prangert seit Tagen angeblichen Wahlbetrug an und will den Kampf für eine zweite Amtszeit vor den Gerichten fortsetzen.

Die wahren Herausforderungen stehen Biden aber bevor, wenn er am 20. Januar als 46. Präsident der US-Geschichte vereidigt wird. Der Politik-Oldie mit dem breiten Lächeln und dem Faible für Piloten-Sonnenbrillen muss nicht nur die verheerende Corona-Pandemie mit mehr als 235.000 Toten im Land unter Kontrolle bringen, die dramatischen sozialen und wirtschaftliche Auswirkungen der Krise eindämmen, das Rassismus-Problem angehen und das zerrüttete Verhältnis zu den traditionellen Verbündeten im Ausland kitten.

Biden übernimmt von Trump auch ein zutiefst gespaltenes Land, in dem die Gräben zwischen Demokraten und Republikanern und den Anhängern beider Lager so tief sind wie selten zuvor. „Vereinen und heilen“ will der volksnahe 77-Jährige die derzeit alles andere als Vereinigten Staaten von Amerika.