Joe Biden hielt in seiner Heimatstadt seine erwartete Siegesrede an die Nation. Foto: Jim Watson/AFP

Washington - „Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen“ – in seiner Siegesrede in seinem Wohnort Wilmington im Bundesstaat Delaware ging Joe Biden (77) einen riesigen Schritt auf die verbitterten Trump-Anhänger zu. Inständig bat er sie, ihm eine Chance zu geben, um gemeinsam für ein besseres Amerika zu arbeiten.

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Er sei als Demokrat gewählt worden, aber er werde der Präsident des ganzen Landes sein und „genauso hart für alle arbeiten, die mich nicht gewählt haben“, versprach Biden, der sich auch entschlossen für die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie einsetzen will.

Enkelin Naomi Biden twitterte ein Foto von dem Moment, als Joe Biden zu Hause von seinem Sieg erfuhr.

„Lasst uns diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt zu Ende gehen lassen“, sagte der Kandidat der Demokraten, der am Sonnabend von US-Medien im Rennen um das Weiße Haus zum Gewinner ausgerufen worden war. In den USA ist es üblich, dass große Medienhäuser ihre Prognosen als Grundlage verwenden, um den Ausgang der Wahlen zu verkünden – normalerweise noch in der Wahlnacht. Die amtlichen Ergebnisse kommen teils erst viel später.

Joe Biden und die künftige First Lady, seine Ehefrau und große Unterstützerin Jill. Foto: Andrew Harnik/AFP

Bidens Erfolg im Schlüsselstaat Pennsylvania besiegelte am Sonnabend Trumps Abwahl nach vierjähriger Amtszeit als Präsident. Biden kam am Ende einer tagelangen Zitterpartie über die Marke von 270 Wahlleuten, die für einen Erfolg erforderlich waren. Trump wiederum erkannte Bidens Sieg nicht an und erklärte: „Die einfache Tatsache ist, dass diese Wahl noch lange nicht vorbei ist.“

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Trump stellt sich als Opfer systematischen Wahlbetrugs dar, ohne dafür stichhaltige Beweise vorzulegen, und sieht sich als legitimer Sieger der Wahl. Mithilfe seiner Anwälte will Trump seine Niederlage noch abwenden. Die Erfolgsaussichten gelten aber als extrem gering. Anders als üblich verzichtete Trump daher auch darauf, den Gewinner anzurufen und seine Niederlage einzugestehen.

Jubel und Hupkonzerte für den Wahlsieger

Einfach dürfte es für Biden als Präsident nicht werden. „Die Wahlergebnisse zeigen auf jeder Ebene, dass das Land nach wie vor tief und bitter gespalten ist“, erklärte Ex-Präsident Barack Obama, der bei allen Amerikanern für die Unterstützung Bidens warb. Mehr als 70 Millionen Wähler hatten Trump ihre Stimme gegeben, Biden 74 Millionen.

Am Times Square feierten die New Yorker den Wahlsieg des Demokraten Joe Biden. Foto: Imago Images/ZUMA Wire

Die Nachricht von Joe Bidens Wahlsieg löste auf den Straßen New Yorks, Washingtons, Philadelphias und anderer Großstädte des Landes Jubel und Hupkonzerte aus. An der Nordseite des Weißen Hauses feierten im Laufe des Tages Tausende ausgelassen Bidens Wahlsieg.