Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, macht Hoffnung auf ein Leben wie vor der Pandemie. dpa/Kay Nietfeld

Die Omikron-Wand türmt sich in Deutschland immer höher auf. Das Robert-Koch-Institut meldete am Sonntagmorgen erneut einen Höchstwert bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz. Demnach lag der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 515,7 – und damit erstmals über der Schwelle von 500.

Nach Auffassung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stehen Deutschland schwere Wochen bevor. Ob die derzeit geltenden Maßnahmen ausreichen, wird sich Lauterbach zufolge bei der nächsten Konferenz der Ministerpräsidenten am 24. Januar entscheiden.

Doch der Berliner Virologe Christian Drosten macht auch Hoffnung auf ein Leben wie vor der Pandemie! Er sieht nämlich in der milder verlaufenden Omikron-Variante des Coronavirus eine „Chance“, in den endemischen Zustand zu kommen. Vorausgesetzt, es gibt eine breite Immunität!

Ist Omikron-Variante eine Chance?

Alle Menschen müssten sich früher oder später mit Sars-CoV-2 infizieren, erklärte Drosten. Dazu gebe es keine Alternative. „Wir können nicht auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten“, sagte der Virologe. Das müsse das Virus machen. „Das Virus muss sich verbreiten, aber eben auf Basis eines in der breiten Bevölkerung verankerten Impfschutzes.“ Die abgeschwächte Infektion auf dem Boden der Impfung sei so etwas wie ein „fahrender Zug, auf den man aufspringt. Irgendwann muss man da aber auch mal drauf springen, sonst kommt man nicht weiter“.

Die gute Nachricht sei: Im Moment fahre der Zug angenehm langsam, denn Omikron habe eine verringerte Krankheitsschwere. Auf die Frage, ob er Omikron als Chance sehe, in den endemischen Zustand zu kommen, sagte der Virologe: „Es wäre eine Chance jetzt, breite Immunität vorausgesetzt.“ Zumal niemand ausschließen könne, dass der Zug auch wieder schneller werde.

Pandemischer Zustand könnte schon 2022 beendet sein

Drosten sagte, die Bevölkerungsimmunität bei Erwachsenen entwickele sich in eine klare Richtung: „Die Bevölkerung baut Immunität auf und behält die auch.“ Deutschland sei jetzt „in dem Prozess“, bald die Pandemie für beendet erklären und die endemische Phase ausrufen zu können.

„Aber wegen des hohen Anteils Älterer in der Bevölkerung müssen wir das in Deutschland über Impfungen machen. Über natürliche Infektionen würden viel zu viele Menschen sterben“, sagte Drosten der Zeitung. Deutschland habe schon „ein ganzes Stück dieses Weges geschafft über Impfungen“, müsse ihn jetzt aber „zu Ende gehen, damit wir im Laufe des Jahres 2022 in die endemische Phase kommen und den pandemischen Zustand für beendet erklären können“.

Bezüglich der Risikoabwägung sagte Drosten, bei der Impfung komme man „einfach besser“ weg. Dass es zu wenig Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen gäbe sei angesichts von inzwischen Milliarden mRNA-Impfungen „wirklich Unsinn“. Im Gegenteil, die mRNA- und Vektor-Impfstoffe kämen der natürlichen Immunität am nächsten, sagte Drosten dem Tagesspiegel. „Sie aktivieren die zelluläre Immunreaktion viel besser und leisten damit einen ganz wichtigen Beitrag für den Schutz vor schwerer Covid-Erkrankung und auch vor Immunflucht-Varianten wie Omikron.“ Den Protein- und Totimpfstoffen fehle diese Fähigkeit.