Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité warnt eindringlich vor der Omikron-Variante.  dpa/Michael Kappeler

Der Virologe Christian Drosten warnte davor, davon auszugehen, dass die Krankheit bei einer Infektion mit Omikron wie in einigen Ländern beobachtet auch in Deutschland milder verlaufen werde. Die Immunsituation sei „in jedem Land ein bisschen unterschiedlich“, sagte er in den ARD-„Tagesthemen“.

Ihm mache in diesem Zusammenhang Sorgen, dass in Deutschland relativ viele Menschen weder geimpft noch genesen seien. Und diese Gruppen könnten nach bisherigen Erkenntnissen über Omikron besonders anfällig für schwere Verläufe sein. „Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen“, sagte Drosten. 

Zwar sei die Immunität von Geimpften bei Omikron schwächer als bei anderen Varianten, der Impfschutz sei dennoch besser, als völlig schutzlos zu sein.

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Ende der Pandemie in spätestens drei Jahren?

Doch Drosten machte auch Hoffnung auf ein mögliches Ende der Pandemie: „Dieses Virus wird zu einem normalen Erkältungsvirus werden“, sagt der Virologe. Zwar könne er nicht versprechen, dass das bereits im nächsten Jahr der Fall sein wird, das wäre „Wahrsagerei“. Fest steht aber: „Wir werden in einen Zustand kommen, wo wir nur noch zum Winter hin auffrischen und wahrscheinlich nicht mehr die ganze Bevölkerung“, so die Einschätzung Drostens. „Das wird aufhören. In absehbarer Zeit. Nächstes, übernächstes, vielleicht in drei Jahren. Aber dann ist es auch vorbei.“

Höchste Corona-Inzidenz bei Kindern

Bedrohlich sind auch vorläufige Erkenntnisse aus Südafrika, wonach die neue Omikron-Variante besonders oft für schwerere Krankheitsverläufe bei Kindern führt. Denn auch in Deutschland haben die höchste 7-Tage-Inzidenz laut RKI weiterhin die Zehn- bis 14-Jährigen mit 1020 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, gefolgt von den Fünf- bis Neunjährigen mit 951. Schüler werden jedoch auch besonders häufig getestet.

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Die berechnete Zahl der Klinikaufnahmen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen sei insbesondere bei den Menschen ab 60 Jahren in den vergangenen sechs Wochen stark gestiegen.

RKI fordert Kontaktbeschränkungen

Die aktuelle Entwicklung sei weiter „sehr besorgniserregend“, heißt es in dem RKI-Bericht. „Nur durch eine Intensivierung der kontaktbeschränkenden Maßnahmen und rasche Erhöhung der Impfraten kann die Situation verbessert werden.“ Das RKI rät – auch Geimpften und Genesenen – dringend dazu, größere Veranstaltungen und enge Kontaktsituationen wie etwa Tanzveranstaltungen oder Weihnachtsfeiern möglichst abzusagen oder zu meiden.

„Eine maximale Reduktion der Übertragungsraten ist auch notwendig, um die zu erwartende Ausbreitung der Omikron-Variante zu verlangsamen.“ Grundsätzlich sollten laut RKI alle Menschen nicht notwendige Kontakte reduzieren und Reisen vermeiden. „Insbesondere vor Kontakt zu besonders gefährdeten Personen sollte ein vollständiger Impfschutz vorliegen und ein Test gemacht werden.“

Bisher 28 Omikron-Fälle in Deutschland

Trotz eines leichten Rückgangs der wöchentlich gemeldeten Corona-Neuinfektionen rät das Robert-Koch-Institut (RKI) zu stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen die Pandemie.

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Von der neuen, als besorgniserregend eingestuften Variante Omikron seien bis 7. Dezember in Deutschland 28 Fälle durch Genomsequenzierung nachgewiesen worden (bis 1. Dezember waren es vier). Bei 36 weiteren Fällen bestehe aufgrund eines spezifischen PCR-Tests der Verdacht darauf. 

„Wir gehen davon aus, dass sich Omikron sehr schnell durchsetzen wird“, sagte Christian Karagiannidis, Leiter des Divi-Intensivregisters, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitag). In Deutschland betrage die Verdopplungszeit geschätzt eine Woche. „Das hieße, dass die Fallzahlen um Weihnachten zu steigen beginnen, bereits Ende Januar könnte Omikron die dominierende Variante sein.“

Selbst wenn eine Infektion mit Omikron im Schnitt zu einem leichteren Verlauf führen würde als mit Delta, bekämen die Kliniken durch die rasche Verbreitung ein massives Problem. „Wir haben aktuell rund 5000 Covid-Intensivpatienten bundesweit. Zu keinem Zeitpunkt in der Pandemie hatten wir so wenige freie Betten. Die Omikron-Welle wird auf Kliniken stoßen, die längst am Limit sind, und mit Geld kann man das Problem nicht lösen.“