Die Delta-Variante ist weiter auf dem Vormarsch. imago/Christian Ohde

Die Delta-Variante breitet sich täglich mehr in Deutschland aus. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist den zehnten Tag in Folge gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den Wert am Sonnabendmorgen mit 9,4 an – am Vortag hatte er bei 8,6 gelegen. 1608 Neuinfektionen wurden binnen 24 Stunden gemeldet.

Eine Wissenschaftlergruppe der Technischen Universität Berlin (TU) erwartet anhand von Modellierungen, dass dies bereits der Beginn einer vierten Welle sein könnte, die auch an Krankenhäusern nicht vorbeigeht.

„Laut unseren Simulationen wird im Oktober ein exponentieller Anstieg bei den Krankenhauszahlen starten. Falls die derzeitige Entwicklung anhält, wird dies sogar früher beginnen und sich im Oktober dann noch mal verstärken“, heißt es im neuen Bericht der Gruppe um den Mobilitätsforscher Kai Nagel an das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Vierte Welle fast unvermeidlich

Den zuletzt bereits verzeichneten Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenzen wertet das Team wegen hohen relativen Zunahmen als „beunruhigend“. Nur wenn die Impfstoffe gegen Delta deutlich besser wirkten als derzeit bekannt oder wenn eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werde, bleibe eine vierte Welle in den Simulationen aus.

Das Modell ergebe „unter allen derzeit realistisch erscheinenden Bedingungen eine vierte Welle bei den Erwachsenen, welche mit der Verlagerung von Aktivitäten in Innenräume im Herbst verstärkt werden wird.“

Tests und Lüften in Schulen wichtig

Die Simulationen zu Schulen zeigen laut dem Bericht, dass Lüftungssysteme und flächendeckender Einsatz von Schnell- und/oder PCR-Tests die Infektionsdynamik verringern könnten. Würden solche Maßnahmen konsequent umgesetzt, seien Schulschließungen oder Wechselunterricht nicht notwendig, hieß es. Die zwei Schnelltests pro Woche, die derzeit typisch seien, halten die Wissenschaftler ohne zusätzliche Maßnahmen allerdings bei Weitem nicht für ausreichend.

Warnung vor Infektionswelle bei Schülern

Würden die Schulen nach den Sommerferien ohne Schutzmaßnahmen geöffnet, ergäbe sich laut Modell eine Infektionswelle bei den Schülerinnen und Schülern, die zu einer Welle bei Erwachsenen führe.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler mit verschiedenen Ansätzen an Covid-19-Simulationen. Diese beruhen auf bestimmten Annahmen und sind mit Unsicherheiten behaftet. Das Team um Professor Nagel nutzt anonymisierte Berliner Mobilfunkdaten, um das Infektionsgeschehen zu modellieren. Die Ergebnisse sind ihm zufolge mindestens auf andere Großstädte übertragbar.