Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof wurde in seiner Heimat festgenommen.
Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof wurde in seiner Heimat festgenommen. dpa/EPA/Sebastien Nogier

Der Gewinner des Goldenen Berlinale-Bären von 2020, der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof, ist in seiner Heimat wegen „Anstiftung zur Unruhe“ festgenommen worden. Gemeinsam mit Rasoulof wurde auch sein Kollege Mostafa Al-Ahmad verhaftet, so ein Medienbericht.

Die beiden hätten nach dem Einsturz eines Hochhauses in der Großstadt Abadan an der irakischen Grenze „Unruhe gestiftet und die psychologische Sicherheit der Gesellschaft gestört“, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Freitagabend vermeldete.

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Rasoulof wird Anstiftung zu Unruhe vorgeworfen

Am 23. Mai dieses Jahres hatten beim Einsturz eines im Bau befindlichen zehngeschossigen Wohnhauses in Abadan 43 Menschen ihr Leben verloren, zahlreiche weitere wurden verletzt. Das Unglück gehört zu den schlimmsten Vorfällen dieser Art im Iran in den vergangenen Jahren. Bei den anschließenden Protesten, die auch auf andere Landesteile übergriffen, ging die Polizei mit großer Härte gegen die Demonstranten vor.

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Der 50-jährige Rasoulof gehörte anschließend zu den Initiatoren eines offenen Briefes an die Behörden, in dem eine Gruppe iranischer Filmemacher die Sicherheitskräfte angesichts von „Korruption, Diebstahl, Ineffizienz und Unterdrückung“ im Zusammenhang mit dem Gebäudeeinsturz dazu aufrief, „die Waffen niederzulegen“. Bei der Festnahme von Rasoulof und Al-Ahmad handelt es sich offenbar um eine Reaktion des Staates auf diesen offenen Brief.

Regisseur Rasoulof gewann 2020 bei der Berlinale

Baran Rasoulof nahm 2020 stellvertretend für ihren Vater, den Regisseur Mohammad Rasoulof, den Goldenen Bären für den Film „Es gibt kein Böses“ entgegen.
Baran Rasoulof nahm 2020 stellvertretend für ihren Vater, den Regisseur Mohammad Rasoulof, den Goldenen Bären für den Film „Es gibt kein Böses“ entgegen. imago/snapshot/Seeliger

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Die Berlinale-Leitung hat am Sonnabend gegen die Verhaftung Rasoulofs und Al-Ahmads protestiert. „Es ist erschütternd, dass Künstler für ihren friedlichen Einsatz gegen Gewalt in Haft kommen“, teilte das Leitungsduo des Filmfestivals, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, mit. Die beiden forderten die iranischen Behörden auf, die beiden Filmschaffenden umgehend freizulassen.

Mohammad Rasoulof hatte auf der Berlinale 2020 für seinen Film „Es gibt kein Böses“ den Goldenen Bären verliehen bekommen. Da er nicht aus dem Iran ausreisen durfte, konnte er die Ehrung jedoch nicht persönlich entgegennehmen. Seinen Pass hatten die iranischen Behörden bereits 2017 eingezogen, nachdem sein Film „Kampf um die Würde“ in Cannes uraufgeführt wurde. Anstelle des Regisseurs war damals seine Tochter Baran, die in dem Film auch die Hauptrolle spielt, zur Preisübergabe nach Berlin gekommen.

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