Witali Schischow wurde erhängt in einem Park gefunden. Twitter / Tadeusz Giczan

Ein belarussischer Oppositioneller im Exil wurde erhängt in Kiew gefunden. Die ukrainische Polizei ermittelt  und geht dem Verdacht nach, es könnte ein als Selbstmord getarnter Mord gewesen sein. Oppositionelle sind bereits der Überzeugung, es sei Mord durch den belarussischen Geheimdienst gewesen.

Verletzungen des Leichnams Zeichen von Schlägen?

Witali Schischow hatte das „Belarussische Haus in der Ukraine“ geführt, eine Organisation, die nach eigener Darstellung verfolgte Landsleute dabei unterstützt,  eine Wohnung und Arbeit in der Ukraine zu finden. Er war am Montag von seiner Freundin als vermisst gemeldet worden, nachdem er vom morgendlichen Joggen nicht zurückgekehrt war.

Am Dienstagmorgen wurde der 1995 geborene Mann dann tot in einem Park  in der Nähe seiner Wohnung entdeckt.  Der ukrainische Polizeichef Igor Klimenko sagte, an Schischows Leiche seien Schrammen an Nase, Knie und Brust festgestellt worden.  Untersuchungen müssten zeigen, ob diese Verletzungen von Schlägen stammten.

Aus dem Umfeld des Toten war berichtet worden, Schischow sei in der jüngeren Vergangenheit von Unbekannten verfolgt worden. Das meldete der belarussische Exiljournalist Tadeusz Giczan über Twitter.

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Die Polizei in Kiew, die unter anderem Aufnahmen der städtischen Videoüberwachung auswerten will, sucht aber auch nach Hinweisen, die auf die Möglichkeit eines Selbstmords deuten.

Schischow stammt aus der belarussischen Stadt Retschyza. Er hatte das Land im Herbst 2020 verlassen, nachdem belarussische „Sicherheitskräfte“ vor einem knappen Jahr begonnen hatten, die Protestbewegung nach der gefälschten Wiederwahl des Präsidenten Alexander Lukaschenko zusammenzuschlagen.

Tausende Demonstranten wurden verhaftet, Oppositionsführer - zumeist Frauen - sitzen wie Maria Kolesnikowa hinter Gittern oder flüchteten ins Exil. Vor allem Polen, Litauen und eben auch die Ukraine nehmen verfolgte Belarussen auf. Unter den Exilanten ist auch Swetlana Tichanowskaja, die mutmaßliche Wahlsiegerin, die anstelle ihres vor der Wahl verhafteten Ehemanns angetreten war und jetzt in Litauen  lebt.

Beileid für die Angehörigen des Toten

Sie drückte Schischows Angehörigen ihr Beileid aus. „Belarussen können nicht einmal im Ausland sicher sein, solange es diejenigen gibt, die sich an ihnen rächen wollen“, schrieb sie auf Telegram.

Schischows Tod sei ein „Schock“, erklärte die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte, Gyde Jensen (FDP). „Nach den Erfahrungen der letzten Monaten ist es zumindest sehr naheliegend, dass Schergen von Diktator Lukaschenko in seinen Tod verwickelt sein könnten.“ Die EU müsse den ukrainischen Behörden Unterstützung bei den Ermittlungen anbieten, forderte Jensen.