Roman Protassewitsch beim Interview Twitter

„Ich kooperiere komplett und transparent“ und werde aufhören, „vor etwas davonzulaufen“. Vom Schlafentzug sichtlich gezeichnet bekannte sich der inhaftierte Regierungskritiker Roman Protassewitsch in einem Interview dazu, zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko aufgerufen zu haben.

Am Donnerstagabend wurde das aufgezeichnete Interview mit dem inhaftierten Regierungskritiker – das vermutlich unter Zwang entstand – im belarussischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.

Darin lobt der 26-Jährige auch plötzlich Lukaschenko. „Ich verstehe jetzt, dass viele Dinge, für die Lukaschenko kritisiert wird, nur Versuche sind, ihn unter Druck zu setzen“, zeigt Protassewitsch plötzlich Verständnis für den Mann, dem er zuvor Wahlfälschung und dessen totalitaristischen Führungsstil vorgeworfen hatte.

Roman Protassewitsch erklärte „komplett“ zu kooperieren. Twitter

Am Ende legt der Regierungskritiker sein Gesicht in die Hände, weint und erklärt, dass er irgendwann heiraten und Kinder haben wolle.

Vater spricht von Missbrauch und Folter

Für Protassewitschs Vater ist klar, dass es sich um durch Folter erzwungene Aussagen handelt. „Ich kenne meinen Sohn sehr gut, und ich glaube, dass er so etwas nie sagen würde“, so Dmitri Protassewitsch zur Nachrichtenagentur AFP. Das Video sei Ergebnis von „Missbrauch, Folter und Drohungen“.

„Sie haben ihn gebrochen und ihn gezwungen, das zu sagen, was nötig war.“ Es schmerze ihn, das Interview zu sehen. „Ich bin sehr besorgt.“

Natalia and Dmitri Protassewitsch bangen um ihren Sohn. AFP/Jaap Arriens

Eltern bangen um ihren Sohn

„Ich kann mir nicht einmal vorstellen, welchen Foltermethoden – sowohl psychischen als auch physischen – mein Sohn momentan ausgesetzt ist“, sagte Protassewitschs Mutter Natalija danach der dpa. „Eine größere Qual kann man als Mutter vermutlich nicht erleiden.“

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Protassewitsch und seine Partnerin waren am 23. Mai festgenommen worden, nachdem ihr Ryanair-Flug auf dem Weg von Athen nach Vilnius von einem belarussischen Kampfjet zur Landung in der Hauptstadt Minsk gezwungen worden war.

Als Reaktion darauf sperrten die EU-Länder ihren Luftraum für Flugzeuge aus Belarus und sprachen ein Landeverbot aus. Airlines aus der EU riefen sie auf, das autoritär regierte Land nicht mehr zu überfliegen.

Protassewitsch soll Massenproteste organisiert haben

Die belarussischen Behörden werfen Protassewitsch vor, Anti-Regierungs-Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr organisiert zu haben.

Nach der von massiven Betrugsvorwürfen überschatteten Wahl hatte es beispiellose Massenproteste gegeben, die Staatschef Lukaschenko niederschlagen ließ. Tausende Demonstranten wurden festgenommen, viele berichteten über Folter. Nach Angaben von Wjasna sind derzeit 449 politische Gefangene in Haft.