Polizisten kontrollieren die Ortsein- und Ausfahrt von Mitterteich. Seit Mittwochabend gilt im Ort eine Ausgangssperre, ab Sonnabend sogar im ganzen Bundesland Bayern.
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Berlin - Ganz Bayern ist ab heute Sperrzone, das Saarland folgt dem Beispiel und auch in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg sowie in Hessen gelten ab heute Ausgangsbeschränkungen. Immer mehr Regionen verschärfen die Maßnahmen gegen das Coronavirus. Über eine Ausgangssperre für ganz Deutschland entscheidet Kanzlerin Angela Merkel morgen Abend gemeinsam mit den Regierungschefs der Länder. Ausschlaggebend ist, ob sich die Bürger an die Maßgabe halten, in der Öffentlichkeit Sicherheitsabstand zueinander zu halten. Das werde man am Wochenende beobachten, warnte Kanzleramtschef Helge Braun, „Samstag wird ein entscheidender Tag.“

Bayern erlässt Ausgangsverbot


Der Tag der Entscheidung naht, doch schon vorab schaffen Bayern und vier weitere Länder Tatsachen: Ab heute ist in Bayern das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch mit triftigem Grund erlaubt – etwa für den Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche und Hilfe für andere. Sport und Bewegung an der frischen Luft sind nur allein erlaubt oder mit den Menschen, mit denen man zusammenlebt.

Polizisten reden im Englischen Garten mit einer Gruppe Jugendlicher. Die Münchner Polizei patrouillierte in Parks, um auf die Einhaltung der von der Staatsregierung verordneten Abstandsregelungen zu drängen. Foto: dpa

Verschärfte Maßnahmen in vier weiteren Bundesländern


Eine ähnliches Ausgangsverbot plant auch das Saarland. In Hessen und Rheinland-Pfalz dürfen sich nur noch maximal fünf Menschen an öffentlichen Orten versammeln, in Baden-Württemberg nur drei. Restaurants werden für Gäste geschlossen. Eine bundesweite, einheitliche Ausgangssperre versucht die Bundesregierung dennoch weiter zu vermeiden. Regierungssprecher Steffen Seibert mahnte deshalb eindringlich die Bürger,   sich nicht mehr in Gruppen zu treffen. Man solle einfach nicht in einer Menschentraube im Park stehen oder eng gedrängt im Café sitzen. Andernfalls werde man am Sonntag gemeinsam mit allen Ländern nach einer „schonungslosen Analyse“ zu weiteren Mitteln greifen.

Reisewarnung über Osterferien verlängert


Weiterer Schlag für alle Bundesbürger: Die Reisewarnung der Bundesregierung wurde auf die Osterferien ausgeweitet. Bis Ende April wird von touristischen Auslandsreisen abgeraten. „Das ist für viele schmerzlich aber absolut notwendig. Bleiben Sie zu Hause!“, schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter. Im Zuge der neuen, teils drastischen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus hat die Bundesärztekammer vor einer Überforderung der Bürger gewarnt. „Ich glaube nicht, dass wir das, was wir jetzt tun, monatelang fortführen können“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die Ängste und Sorgen würden die Menschen psychisch überfordern.“
Er sprach sich für eine klare Befristung der Beschränkungen im Alltag aus und lehnte eine Ausgangssperre ab.