Klara Geywitz bei der Besichtigung eines Neubaus in Neukölln.
Klara Geywitz bei der Besichtigung eines Neubaus in Neukölln. Fabian Sommer/dpa

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hat das Ziel aufgegeben, dass pro Jahr 400.000 neue Wohnungen entstehen sollen. Sie machte Fachkräftemangel auf dem Bau, zu wenig vorfabrizierte Bauteile und mangelnde Digitalisierung des Bauwesens verantwortlich. Wie viele Wohnungen 2022 fertig geworden wären, wisse man erst im Mai. Es dürften um die 250.000 sein.

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In einem Interview mit web.de verteidigte Geywitz das hohe Ziel: „Das Ziel von 400.000 Wohnungen hat sich niemand einfach so ausgedacht. Es fußt auf den Analysen von mehreren Instituten. Wir haben im vergangenen Jahr rund eine Million Menschen aus der Ukraine bei uns aufgenommen.  Wahrscheinlich liegt der Bedarf deshalb sogar höher als 400.000. Es gibt einen großen Druck.“

Zu viel schwere körperliche Arbeit auf dem Bau statt Roboter-Einsatz

Geywitz zeigte sich überrascht, dass der Fortschritt bei der Bautechnik so lahm sei: „Bei schwerer körperlicher Arbeit kann Digitalisierung Entlastung schaffen – zum Beispiel, indem Roboter Fundamente oder Mauern anfertigen oder indem Drohnen Fassaden streichen. Da gibt es erste Experimente. Wir sind aber noch weit davon entfernt, dass dies der Standard ist.“

Gleichzeitig gebe es zwei Probleme, die den Wohnungsmangel verschärften: Zu hoher Platzbedarf pro Kopf und ein nicht funktionierender Wechsel des Wohnraums. Die Wohnfläche pro Kopf habe sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland von 25 auf 50 Quadratmeter verdoppelt. Dazu komme, dass es kein ausreichendes Angebot für Menschen gebe, deren Kinder beispielsweise aus einem Einfamilienhaus ausgezogen sind, die aber im Alter keine barrierefreie, kleinere Bleibe finden. 

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Warum Mieter in zu großen Wohnungen bleiben

Was sie nicht erwähnte: Wer beispielsweise in Berlin aus einer großen Wohnung mit altem Mietvertrag in eine kleinere umziehen will, findet keine zu geringerer Miete. Also bleibt man in der großen. 

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Geywitz äußerte schließlich Neugier: Sie sei gespannt auf den Gesetzentwurf aus dem Justizministerium von Marco Buschmann (FDP), der dem Koalitionsvertrag folgt: Darin ist vereinbart, dass die Mietpreisbremse verlängert wird und in „besonders angespannten Wohnlagen“  die Kappungsgrenze von 15 auf elf Prozent gesenkt wird. Das bedeutet, dass die Miete dort binnen drei Jahren um maximal elf Prozent steigen darf.