26,5 Milliarden Banknoten sind im Euro-Raum im Umlauf. Foto: dpa/Jens Büttner

Nur Bares ist Wahres: Der Spruch ist unter Umständen kurz davor, zum alten Eisen zu gehören. Weil immer mehr Menschen mit Karten oder Handy-Apps bezahlen, könnte die Versorgung mit Münzen und Scheinen zusammenbrechen.   Der internationale Währungsverband ICA und die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) warnen, dass sie eines Tages zu teuer für Handel und Banken werden könnte, um noch eine flächendeckende Bereitstellung zu gewährleisten.

„Wir sehen die Gefahr, dass auf Sicht gesehen die Bargeld-Infrastruktur so unter Druck gerät, dass sich das für die Betreiber nicht mehr lohnt“, sagte der BDGW-Vorstandsvorsitzende Michael Mewes.

Anlass dieser Sorgen sind Analysen der Bundesbank: Demnach wurden 2020 noch 61 Prozent aller Einkäufe im stationären Handel bar bezahlt. 2011 lag dieser Anteil noch bei 82 Prozent. Dessen ungeachtet ist die Menge des im Umlauf befindlichen Bargelds bisher weiter gestiegen. Ende 2020 waren in den 19 Euro-Staaten 138 Milliarden Münzen im Wert von 30,4 Milliarden Euro (30.400.000.000 Euro) im Umlauf, bei den Banknoten waren es laut Europäischer Zentralbank 26,5 Milliarden Stück im Gesamtwert von 1,43 Billionen Euro. In Ziffern: 1.430.000.000.000.

Bargeld unter der Matratze versteckt

Dieser Widerspruch zwischen riesiger Bargeldmenge und zunehmend bargeldlosem Bezahlen wird von den Fachleuten so gedeutet, dass die Bürger große Summen im Schließfach oder unter der Matratze horten und nicht ausgeben. 

Die Corona-Pandemie hat die Abkehr vom Bargeld nach Mewes' Worten beschleunigt: In den Bargeldzentren der Geldtransporteure ist die Menge der dort gezählten Münzen und Scheine seit Beginn der Pandemie demnach um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen.

Als Negativbeispiel dient der Bargeldbranche Schweden, wo bargeldloses Bezahlen sehr viel weiter verbreitet ist als in Deutschland oder Österreich. In dem skandinavischen Land gebe es mittlerweile Anstrengungen, die mangelhafte Bargeldversorgung wieder zu verbessern, sagte Jutta Buyse, Chefin des Währungsverbands ICA, einem internationalen Zusammenschluss der großen Banknotenhersteller und anderer Unternehmen der Bargeldbranche. Wenn die Mindestversorgung mit Bargeld nicht mehr gewährleistet sei, „ist es unheimlich schwer, wieder zurückzukrabbeln“.

Weniger pessimistisch als die Verbände ist das Münchner Unternehmen Giesecke + Devrient, einer der führenden Banknotenhersteller der Welt. G+D-Manager Wolfgang Kneilmann rechnet damit, dass mit dem Ende der Pandemie auch der Anteil der Barzahlungen wieder etwas steigt. „Ich sehe das kontinuierlich in der Erholung“, sagte der Chef der G+D-Bargeldsparte.