Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen dpa/Kay Nietfeld

Besser hätte es für die Grünen kaum laufen können: Umfragewerte, die die Union das Fürchten lehren, eine höchst beliebte designierte Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und eine Geschlossenheit, von der andere Parteien nur träumen können. Bis jetzt die Sache mit den Sonderzahlungen öffentlich wurde.

Mehr als 25.000 Euro meldete Parteichefin Annalena Baerbock dem Bundestag bereits im März nach. Bekannt wurde das am Mittwoch durch einen Bild-Bericht. Seither sind die zuletzt erfolgsverwöhnten Grünen in der Defensive. „Das war ein blödes Versäumnis“, sagte Baerbock dem Handelsblatt zerknirscht.

Und wie die Bild-Zeitung weiter meldet, bekam Baerbock auch 2020 einen steuerfreien Corona-Bonus über 1500 Euro. Laut Bundesfinanzministerium ist Voraussetzung für eine solche Zulage, dass diese „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden“.

Baerbock bekommt aber von ihrer Partei keinen Lohn, weil sie gleichzeitig Abgeordnete im Bundestag ist.

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Am Donnerstagabend musste dann Parteikollege Cem Özdemir hinterher schieben, er habe dem Bundestag im Mai Sonderzahlungen von mehr als 20.500 Euro für die Jahre 2014 bis 2017 nachgemeldet.

Baerbocks Sympathiewerte sinken

„Mit den nicht angegebenen Geldern haben die Grünen den ersten tatsächlichen Fehler im Wahlkampf“, meint Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele von der Hertie School of Governance in Berlin. Sie gehe aber nicht davon aus, dass der Ökopartei das nachhaltig schaden werde, weil die Unterstützung aus der Basis stabil sei und die anderen Parteien wegen eigener Verfehlungen daraus kaum politisches Kapital schlagen können.

Beim Wähler hat Annalena Baerbock laut dem ZDF-Politbarometer allerdings in kurzer Zeit deutlich an Zustimmung eingebüßt. Mit dem für sie bisher schlechtesten Wert von 0,5 auf einer Skala von minus fünf bis fünf landete Baerbock auf Rang sechs der beliebtesten Politiker.