Die Salzbachtalbrücke der A66 in Wiesbaden musste im Juni wegen schwerer Schäden gesperrt werden. imago/Peter Hartenfelser

In Deutschland sind rund 3000 Autobahnbrücken in maroder Verfassung: Sie seien in einem „nicht ausreichenden und ungenügenden Zustand“, sagte der Geschäftsführer der Autobahn GmbH, Stephan Krenz, der „Welt am Sonntag“. Das seien mehr als zehn Prozent der insgesamt etwa 27.000 Autobahnbrücken. „Wir machen uns große Sorgen.“ 

Auch die Brücken der Stadtautobahn in Berlin in schlechtem Zustand

Die Autobahn GmbH ist seit Jahresbeginn für die Instandhaltung, den Bau und Betrieb der Autobahnen verantwortlich und hatte eine Bestandsaufnahme der Brücken vorgenommen, nachdem die hessische Salzbachtalbrücke im Juni nach schweren Schäden gesperrt werden musste.

Die Salzbachtalbrücke sei aber nur „die Spitze des Eisbergs“, sagte Krenz. Die marode Infrastruktur ziehe sich durchs ganze Land von den Rhein-Brücken im Westen über die Talbrücken in den hessischen Mittelgebirgen bis zu den Brücken der Stadtautobahn in Berlin.

„Die Einschätzung des Zustands der Brücken war bislang Ländersache – das wurde unterschiedlich gehandhabt“, so Krenz. Insgesamt gebe es ein Ost-West-Gefälle. Im Osten seien viele Brücken neuer, im Westen sei der Zustand oft schlechter.

Eine Milliarde Euro pro Jahr für Sanierung der Autobahnbrücken

Krenz forderte zusätzliche Mittel: „Wir brauchen deutlich mehr Geld für die Sanierung der Autobahnbrücken“, sagte er der Zeitung. Bislang stehe dafür rund eine Milliarde Euro pro Jahr zu Verfügung.

„Wir müssen deutlich schneller werden, dafür brauchen wir ein vereinfachtes Baurecht für Ersatzneubauten“, fügte Krenz hinzu. Wenn eine geplante neue Brücke deutlich von der bisher bestehenden abweiche, müsse man bislang durch ein komplettes Planungsverfahren.

Seit Januar ist die Autobahn-Gesellschaft für Planung, Bau und Betrieb sämtlicher Autobahnen in Deutschland zuständig. Die Autobahnen gehörten zwar schon vorher dem Bund. Bau und Betrieb war aber Aufgabe der Länder. Mit der Neuaufstellung sollen Baufirmen den gleichen Ansprechpartner haben, Ausschreibungen und Regeln sollen vereinheitlicht, Projekte aus einer Hand geplant werden. Es geht um ein Autobahnnetz von 13.000 Kilometern.