Frau Kauther und Herrn Pollmann


Foto: Kauther/Pollmann

Immer ausgesucht höflich, stets korrekt und auf die Einhaltung der strengen Verhaltensetikette bedacht, so sollen Diplomaten sein. Botschafter ihres Landes, die die eigene politische Meinung offiziell zurückhalten, um die Beziehungen ihres Staates zu anderen nicht zu gefährden.

Das Auswärtige Amt – der Arbeitgeber von 195 Botschaftern und Botschafterinnen – ist nicht gerade als Ort großer Experimentierfreude bekannt. Doch nun wird dort ein jobpolitisches Experiment gewagt, das für Aufsehen sorgt: Erstmals teilt sich ein Ehepaar den Chefposten in einer Botschaft. Natalie Kauther und Adrian Pollmann sollen ab 1. August Klaus Peter Riedel ablösen, den „außerordentlichen und bevollmächtigen Botschafter“ in Slowenien.

Ablösung alle acht Monate 

Die beiden Juristen sind 43 und 45 Jahre alt und arbeiten seit 15 Jahren im Außenamt. Sie teilten sich vor Jahren bereits den Posten des Vizebotschafters in Bosnien und Herzegowina. Danach arbeiteten sie wieder in der Zentrale in Berlin, und nun stand erneut ein Auslandseinsatz an.

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Das Ehepaar warb selbst für das neue Job-Sharing-Modell, und das aus höchst löblichen persönlichen Gründen: Ihre drei Kinder sind sieben, acht und zehn Jahre alt und die beiden wollen mehr Zeit mit ihnen verbringen können.

Für ihre nun anstehende vierjährige Botschafter-Amtszeit im südosteuropäischen Slowenien haben sie sich für ein Modell entschieden, bei dem sie sich etwa alle acht Monate ablösen. Jeder wird also dreimal verantwortlich im Amt sein.

Leitet ein Ehepaar schon bald das Kanzleramt?

Natalie Kauther und Adrian Pollmann sind keineswegs Ausnahmeerscheinungen. Im Außenamt heißt es, dass es dort 364 sogenannte „Amtspaare“ gibt. Damit teilen sich elf Prozent der 6467 festen Mitarbeiter einen Posten.

Nicht auszudenken, wenn dieses Modell ein Erfolg wird. Klischeehaft verkürzt gesagt: die Mischung aus männlicher Nüchternheit und weiblicher Empathie. Dann könnte es sein, dass sich ein Ehepaar auch mal das Bundeskanzleramt teilt. Mama sitzt beim Staatsempfang und Papa beim Elternabend. Aber es sollte dann auch so sein wie bei den Botschaftern Kauther/Pollmann in Laibach: Beide sollten die gleiche Qualifikation und den gleichen Amtstitel haben.