Eine Impfpflicht für Erwachsene sei man allein schon den Kindern schuldig, meinen Kinderärzte. dpa/Boris Roessler

Kommt denn jetzt eine allgemeine Corona-Impfpflicht oder doch nicht? Es ist manchmal schon merkwürdig, wie schnell scheinbar feststehende Entschlüsse sich in der Politik in Luft auflösen können. War Anfang Dezember die Front der entschlossenen Impfpflicht-Befürworter parteiübergreifend geschlossen, bröckelt sie nun gewaltig.

FDP-Chef Christian Lindner meidet eine klare Stellungnahme wie der Teufel das Weihwasser, auch SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach machte eine Kehrtwende. Erst forderte er eine schnelle Impfpflicht, um dann plötzlich den Blick nur noch auf den nächsten Herbst zu lenken, für den jetzt Entscheidungen getroffen werden müssten.

Lästiges Problem wird auf die lange Bank geschoben

Das klingt danach, als wolle man das lästige Thema auf die lange Bank schieben. In der Hoffnung, dass die Corona-Pandemie schon bald endemisch wird und sich das Problem von alleine löst. Doch das ist naiv im Rückblick darauf, wie viele stille Hoffnungen das Coronavirus durch Mutationen bereits zunichte gemacht hat.

Es mag tausende Gründe für und tausend Gründe gegen eine Impfpflicht geben – wobei die Frage nach der praktischen Umsetzbarkeit, sprich der Strafen für Impfverweigerer noch der stichhaltigste Grund sein mag. Doch es geht jetzt vielmehr darum, klar Farbe zu bekennen, einen Kurs einzuschlagen und den auch durchzuhalten.

Das Problem aussitzen zu wollen, ist unanständig, vor allem gegenüber den Kindern, die mit die größten Verlierer in der Pandemie sind. Sie dürften nicht länger dafür herhalten müssen, die wirklich Gefährdeten, also ungeimpfte Erwachsene, zu schützen, forderte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach zu Recht.

Und ebenso unanständig wäre es, dem längst schon überlasteten Klinik-Personal durch langes Debattieren die von Lauterbach angeführte „schmutzige Durchseuchung“ durch die Omikron-Variante aufzubürden.