Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) Imago/photothek

Am Airport in Kabul drängen sich nach der Machtübernahme der Taliban seit Tagen Tausende verzweifelte Menschen in der Hoffnung, einen Flug aus Afghanistan raus ins sichere Ausland zu erwischen. Doch mit dem Abzug der US-Truppen am 31. August endet die Frist für die Evakuierung. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) äußerte jetzt Bedenken, ob die verbleibende Zeit noch reicht.

Außenminister Heiko Maas geht nicht davon aus, dass tatsächlich alle ausreiseberechtigten Afghanen in den nächsten Tagen vom Flughafen Kabul aus in Sicherheit gebracht werden können. „Wir werden in den verbleibenden Tagen dieser militärischen Evakuierungsaktion nicht alle aus Afghanistan rausbekommen können“, sagte Maas am Dienstag auf Bild TV. „Das gebietet die Ehrlichkeit, das zu sagen.“

Selbst wenn der internationale Einsatz am Kabuler Flughafen noch einige Tage über das bislang avisierte Enddatum 31. August verlängert werden sollte, könnten nicht alle Menschen ausgeflogen werden, die dies wünschten, sagte Maas. Es müsse abgewogen werden, wie lange die Sicherheit der Kräfte vor Ort und der auszufliegenden Menschen gewährleistet werden könne. „Das ist eine sehr, sehr schwierige Abwägung“, sagte er.

„Wege gehen, die man nicht gehen will“

„Deshalb haben wir, zusammen mit den USA und Großbritannien jetzt begonnen, Überlegungen anzustellen, wie auch nach der militärischen Evakuierung Leute aus Afghanistan rausgebracht werden können“, sagte Maas. Das Ende der militärischen Evakuierung dürfe nicht das Ende der Möglichkeiten für die Menschen sein, das Land zu verlassen.

„Dafür muss man Wege gehen, die man nicht gehen will“, sagte Maas mit Blick auf Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban. Die Taliban haben mit „Konsequenzen“ gedroht, sollten die USA ihre Truppen nicht wie vorgesehen bis zum 31. August komplett aus Afghanistan und damit auch vom Kabuler Flughafen abziehen.

Trotz der Forderung einiger G7-Staaten zur Verlängerung der Evakuierungsflüge hält US-Präsident Joe Biden Medienberichten zufolge am Truppen-Abzug bis zum 31. August fest. Das berichteten am Dienstag die US-Nachrichtensender CNN und Fox News nach einem virtuellen G7-Gipfel. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, es seien von Biden „heute keine neuen Daten über das bekannte Datum des 31.8.“ hinaus genannt worden.