Ein Post-Mitarbeiter, tausende Pakete: Die Zustellprobleme beim Unternehmen verschärfen sich.
Ein Post-Mitarbeiter, tausende Pakete: Die Zustellprobleme beim Unternehmen verschärfen sich. dpa

Deutschland droht ein Weihnachtsfest mit Frust über nicht rechtzeitig eintreffende Geschenke, mitunter Ärger über auf dem Transportweg verschollene Dokumente, Medikamente oder wichtige Rechnungen. Was ist los beim einstmals zuverlässigen, ehemaligen Staatsunternehmen, der Deutschen Post?

Das Unternehmen selbst räumt die Probleme ein: Es komme wegen Personalengpässen und der Corona-Pandemie zu Zustellproblemen. Aufgrund sehr hoher Infektionszahlen fielen Mitarbeiter in einigen Betriebsstätten „reihenweise“ aus, sagte Thomas Schneider, Betriebschef des Post- und Paketgeschäfts in Deutschland, der „Bild am Sonntag“. Zudem sei die Situation auf dem Arbeitsmarkt derzeit „sehr angespannt“. Es sei „schwieriger, gute Leute zu finden“.

Post räumt ein: Jeden Tag werden in 100 Zustellbezirken keine Briefe ausgeliefert!

Dazu ist anzumerken: Laut Robert-Koch-Institut (RKI) waren die Corona-Zahlen zuletzt rückläufig, allerdings spiegeln die offiziell gemeldeten Fälle nur einen Teil der tatsächlichen Lage wider. Die Dunkelziffer ist laut Gesundheitsexperten enorm, in zahlreichen Unternehmen sind Mitarbeiter krankgeschrieben, nicht nur wegen Corona, auch andere Erkältungsfälle häufen sich.

Auch seien Beschäftigte, die während des Corona-Lockdowns zur Post gewechselt sind, wieder in ihre früheren Berufe zurückgekehrt, fügte Post-Betriebschef Schneider hinzu. Deshalb gebe es „aktuell Herausforderungen in der Briefzustellung in einzelnen Gegenden“. Im Schnitt komme es an einem Werktag „in rund 100 von unseren bundesweit über 50.000 Zustellbezirken dazu, dass die Briefzustellung ausfallen muss“.

Aufgrund von Personalengpässen in der Zustellung komme es bei jedem zwölften Brief zu Verzögerungen - in der Regel aber nur einen Tag, betonte Schneider. „Wir stellen immer noch mehr als 80 Prozent aller Briefe am nächsten Werktag und über 95 Prozent nach zwei Tagen zu.“

Das Unternehmen sucht laut Schneider derzeit dringend Personal, vor allem Briefträger. „Wir haben in den letzten vier Wochen über 3000 neue Zustellkräfte eingestellt“, sagte der Betriebschef. In Hinblick auf die Vorweihnachtszeit sei jedoch weitere Verstärkung notwendig.

Netzagentur will Post mit Zwangs- und Bußgeldern belegen

Wegen steigender Beschwerdezahlen über die Post hat der Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller ein schärferes Schwert für seine Behörde eingefordert. „Uns erreichen im Moment ungewöhnlich viele Beschwerden“, sagte der Netzagentur-Präsident der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. „Wir dringen auf eine zügige Verbesserung der Lage.“ Allerdings seien die gesetzlichen Möglichkeiten der Behörde bei verspäteten oder nicht zugestellten Briefen begrenzt. „Eine bessere gesetzliche Ausstattung mit Sanktionsmöglichkeiten würde uns helfen, um Missständen effektiver zu begegnen.“

Damit die Post besser wird, würden aus Sicht von Müller verbesserte Auskunfts- und Berichtspflichten bei temporären Mängeln helfen. Dann könnte die Behörde gegebenenfalls Zwangs- oder Bußgelder verhängen. Die geforderten Änderungen könnten in der anstehenden Postgesetz-Reform beschlossen werden. „Eine verlässliche Postversorgung ist wichtig für uns alle“, betonte Müller.

Von Juli bis September waren 11.500 Beschwerden über Post- und Paketdienstleister eingegangen, in den meisten Fällen ging es um die Briefzustellung der Deutschen Post. Der Dreimonatswert war höher als die Gesamtzahl aller Beschwerden im ersten Halbjahr (8900). Zählt man alle Beschwerden der ersten drei Quartale zusammen, so sind es schon jetzt ein Drittel mehr als im ganzen Vorjahr (15.100). Etwa jede achte Beschwerde kommt von Postkunden aus Berlin.