Die Menschen in Kuba lehnen sich gegen die kommunistische Diktatur auf, gehen auf die Straße. AFP/Yamil Lage

Es gärt auf der karibischen Sonneninsel. Erstmals seit Jahren sind in Kuba wieder Demonstranten in großer Zahl – vor allem junge Menschen – gegen die sozialistische Regierung auf die Straßen gegangen. In San Antonio de los Baños südwestlich der Hauptstadt Havanna protestierten am Sonntag zahlreiche Menschen gegen Mangelwirtschaft und Unterdrückung. Auch in Havanna und den Städten Holguín, Matanzas, Camagüey und Santiago de Cuba kam es demnach zu Demonstrationen.

„Nieder mit der Diktatur“, riefen die Menschen und brachten ihre Wut über die aktuelle Wirtschaftskrise, Strom- und Lebensmittelknappheit zum Ausdruck. Daneben macht das Land eine heftige Welle der Corona-Pandemie durch.

Verhaftung eines Demonstranten in Havanna AFP/Adalberto Roque

In der Hauptstadt Havanna versammelten sich Hunderte Demonstranten vor dem Kapitol und skandierten: „Wir wollen Freiheit“. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Protestierenden ein, mindestens zehn Menschen wurden festgenommen. Einsatzkräfte schlugen mit Plastikrohren auf die Demonstranten ein.

Wut auf die Polizei, Demonstranten haben einen Polizeiwagen umgestürzt. AFP/Yamil Lage

In den Online-Netzwerken tauchten Videos und Bilder von Protesten in weiteren Städten auf, obwohl der Zugang zum Internet am Sonntag größtenteils abgeschnitten war.

 „Wir rufen alle Revolutionäre dazu auf, auf die Straßen zu gehen und die Revolution an allen Orten zu verteidigen“, sagte Präsident und KP-Chef Miguel Díaz-Canel. Er war selbst nach San Antonio de los Baños gefahren und hielt im Staatsfernsehen eine Propaganda-Rede: „Wir werden die Souveränität und Unabhängigkeit dieser Nation nicht aufgeben“, und drohte: „Wenn sie die Revolution bezwingen wollen, müssen sie über unsere Leichen gehen.“

USA warnen vor Gewalt auf Kuba

Die USA warnten Havanna vor einem gewaltsamen Vorgehen gegen die Demonstranten. „Die Vereinigten Staaten unterstützen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Kuba und würden jede Gewalt oder Vorgehen gegen friedliche Demonstranten, die ihre universellen Rechte ausüben, scharf verurteilen“, schrieb Sicherheitsberater Jake Sullivan auf Twitter. Ähnlich äußerte sich die im US-Außenministerium für den amerikanischen Kontinent zuständige Spitzenbeamtin Julie Chung. „Wir stehen zum Recht des kubanischen Volkes, sich friedlich zu versammeln“, schrieb sie.

Erst im April hatte Präsident Miguel Díaz-Canel die Führung der Kommunistischen Partei (PCC) von Raúl Castro übernommen. Erstmals seit dem Sieg der Revolution von 1959 ist damit kein Castro mehr in einer Führungsposition. Allerdings ging der Wechsel an der Parteispitze nicht mit einer politischen Liberalisierung einher.