Donald Trump will wohl auch aus ganz persönlichen Motiven so lange wie möglich US-Präsident bleiben. Foto: Alex Brandon/AP

Betrugsvorwürfe, Hetzkampagnen – mit allen Mitteln versucht US-Präsident Donald Trump, die demokratischen Wahlen zu diskreditieren und im Amt zu bleiben. Der Republikaner will sich keine Niederlage eingestehen. Doch Trump könnte auch ganz andere persönliche Gründe haben, die Wahlresultate nicht anzuerkennen: Sollte er seinen Platz im Weißen Haus räumen müssen, verliert Trump auch seine Immunität, die ihn als amtierender Präsident vor Strafverfolgung schützte.

Auf den 74-Jährigen könnte dann nämlich eine ganze Lawine von Prozessen zurollen. Mehr als 30 Verfahren sind gegen Trump anhängig. Wie die „New York Times“ aufzählt, sind davon zwölf Untersuchungen des Kongresses. 

„Es gibt schwerwiegende Anklagen, die von einer Vielzahl von Bundes- und Landesbehörden erhoben werden“, sagte auch Trumps ehemaliger persönlicher Anwalt, Michael Cohen, gegenüber „New York Daily News“ über Trumps mögliche strafrechtliche Verantwortlichkeit, wenn er die Wahl verliert. „Dazu zählen Steuerhinterziehung, Bankbetrug und Versicherungsbetrug, um nur einige zu nennen“, so Cohen weiter.

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Auch Verfahren wegen Geldwäsche, Missbrauchs von Spendengeldern und sexuellen Missbrauchs muss Trump fürchten. Summer Zervos, eine ehemalige Teilnehmerin von Trumps Reality-TV-Show „The Apprentice“, hat den Präsidenten 2017 beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Der Prozess wurde im Januar unterbrochen. Die Journalistin E. Jean Carroll hat Trump angezeigt, weil er sie angeblich Mitte der 90er-Jahre in einem Kaufhaus in New York vergewaltigt haben soll.

Dubiose Schweigegeld-Zahlungen

Eine Rolle bei der Serie von Anklagen dürften auch Schweigegeldzahlungen an Frauen im Vorfeld der Wahlen 2016 spielen. Anwalt Cohen hatte eingeräumt, die Auszahlung von 130.000 Dollar an Pornostar Stormy Daniels und 150.000 Dollar an das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal arrangiert zu haben, um sie daran zu hindern, Geschichten über ihre angeblichen Affären mit Trump an die Öffentlichkeit zu bringen.

Pornodarstellerin Stormy Daniels erhielt von Trump Schweigegeld. Foto: SMG via ZUMA Wire/dpa

Im Rahmen der Untersuchung, die in der Folge auch auf möglichen Banken- und Versicherungsbetrug durch Trumps Geschäftsimperium „Trump Organization“ ausgeweitet wurde, hatte Manhattans Staatsanwalt Cyrus Vance Einsicht in Trumps Steuererklärungen von 2011 bis 2018 verlangt. Dagegen wehrte sich Trump bis vors Oberste Gericht.  

Banken- und Versicherungsbetrug in Millionenhöhe

Bei den anhängigen Betrugsvorwürfen untersucht New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James zum Beispiel, ob Trump den Wert seiner Immobilien höher angesetzt hat, um Kredite und Steuervorteile zu erschleichen.

Playboy-Model Karen McDougal erhielt 150.000 Dollar für ihr Schweigen. Foto: John Chennavasin/ZUMA Wire/dpa

Kommt es tatsächlich zu einer Prozesswelle, dürften die Anklagen Trump bei Schuldsprüchen zumindest finanziell sehr hart treffen. Die Strafen gingen in die Millionen.

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Ohne den Schutz durch das Präsidentenamt würde es Trump ebenso ergehen wie seinen Mitarbeitern, unter denen sich während seiner Amtszeit eine erstaunliche Anzahl von Verurteilungen und laufenden Ermittlungen angehäuft hat. Mindestens 18 Personen unter Trumps Mitarbeitern wurden seit Amtsantritt 2016 verhaftet oder ins Gefängnis gebracht.

Summer Zervos, Ex-Kandidatin bei „The Apprentice“, beschuldigte den Präsidenten 2017, sie sexuell belästigt zu haben. Foto: Nelson/ZUMA/dpa

Verfassungsrechts-Professor Laurence Tribe von der Harvard Universität zu „New York Daily News“: „Das Ausmaß, in dem die Strafverfolgung von Trump noch während der laufenden Wahlen diskutiert wird, zeigt uns, dass dies eine Präsidentschaft war, die von oben bis unten in offensichtliche Kriminalität verstrickt ist, so dass fast jeder einen Grund dafür nennen kann, warum Trump so lange wie möglich im Amt bleiben will.“