In Krankenhäusern werden lebensrettende Medikamente knapp, etwa bei Schlaganfällen.
In Krankenhäusern werden lebensrettende Medikamente knapp, etwa bei Schlaganfällen. dpa/Fabian Strauch

Zuerst fehlte es an Fiebersaft für Kinder, jetzt warnen nach den Kinderärzten auch Krankenhäuser vor ernsten Engpässen sogar bei Krebsmitteln und Notfallmedikamenten für Herzinfarkte!

„Zunehmend verursachen Lieferengpässe große Probleme - auch im Krankenhaus“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagsausgaben). Als Beispiele nannte er Antibiotika, Krebspräparate und Notfallmedikamente für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Lebensrettendes Medikament nach Schlaganfällen fehlt

Dabei seien die Lieferengpässe bei diesen Notfall-Präparaten im Moment das größte Problem für Mediziner. So fehlt es laut Gaß unter anderem bereits seit April am Wirkstoff Alteplase, der als lebensrettende Maßnahme zum Beispiel nach Herzinfarkten und Schlaganfällen eingesetzt werde. Alternativen dafür seien rar oder fehlten ganz, sagte Gaß. Sehr problematisch seien in der derzeitigen Welle von Atemwegserkrankungen aber auch fehlende Mittel wie beispielsweise das Breitband-Antibiotikum Amoxicillin.

Grund für die Engpässe sind oft akute Probleme in der Herstellung, aber auch eine zu niedrige Produktion bei steigender Nachfrage. In diesem Jahr seien viele Arzneimittel betroffen, die zur Basisversorgung zählten – beispielsweise gewöhnliche Antibiotika oder Medikamente, die für die Krebstherapie existenziell seien.

Lebenswichtige Medikamente in Deutschland herstellen

Zuvor hatten bereits die Kinderärzte in Deutschland wegen Engpässen vor allem bei Fiebersaft, aber auch bei anderen Medikamenten Alarm geschlagen. Es mehren sich die Rufe nach staatlichen Sofortmaßnahmen wie einer groß angelegten Beschaffungsaktion von Bund und Ländern.

Christian Karagiannidis, Mitglied der Regierungskommission für Krankenhausversorgung, fordert lebenswichtige Arzneimittel in Deutschland herzustellen.
Christian Karagiannidis, Mitglied der Regierungskommission für Krankenhausversorgung, fordert lebenswichtige Arzneimittel in Deutschland herzustellen. dpa/Kay Nietfeld

Außerdem bringen Experten auch eine staatliche Produktion lebenswichtiger Arzneimittel in Deutschland ins Spiel. Nach der Verlagerung an günstigere Produktionsstandorte etwa in Indien und China in den vergangenen Jahrzehnten sei es Zeit für ein Umdenken, sagte Christian Karagiannidis, Mitglied der Regierungskommission für Krankenhausversorgung, am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Wir müssen jetzt schon den Weg gehen, dass wir das Ganze wieder zurückholen. Vielleicht muss man auch diskutieren, dass wir bundeseigene Produktionsstätten brauchen für lebenswichtige Medikamente.“

Die aktuelle Situation in den Krankenhäusern beschrieb Karagiannidis als äußerst angespannt. „Wir haben so wenig freie Intensivbetten, wie wir es in der ganzen Pandemie nicht hatten“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin. Die Notaufnahmen und Normalstationen seien „ziemlich voll“, so dass „wir im Prinzip fast nicht mehr handlungsfähig sind.“ Im Gegensatz zu Corona habe man aber die Aussicht, dass die Welle „jetzt irgendwann“ den Höhepunkt erreiche und dann wieder runtergehe.