In den rund 30 deutschen Airbus-Standorten wie hier in Bremen sollen 5100 Jobs bis Mitte 2021 wegfallen.  Foto: imago images/Hans Blossey

Nürnberg - Die Arbeitslosenzahl ist im Juni um 40.000 auf 2,853 Millionen gestiegen, 637.000 mehr als im Juni 2019. Die Arbeitslosenquote stieg von 6,1 auf 6,2 Prozent. Insgesamt sind durch die Corona-Krise nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit zwischen April und Juni 638.000 Menschen arbeitslos geworden. „Jeder fünfte in diesem Zeitraum ist sozusagen der Corona-Pandemie geschuldet“, sagte der Chef der Bundesagentur, Detlef Scheele. Allerdings habe sich die Wirkung der Seuche auf den Arbeitsmarkt stark abgeschwächt.

Die Kurzarbeit sei im April auf den höchsten jemals erreichten Stand geschnellt. Demnach waren im April 6,83 Millionen Menschen in Kurzarbeit nach 2,49 Millionen im März. Für den Mai rechnet Scheele mit 6 Millionen Kurzarbeitern.  Die Bundesagentur hat 2020 für Kurzarbeit bisher 7,847 Milliarden Euro ausgegeben.  Keine deutliche Steigerung hat es bisher bei der Finanzierung von Insolvenzen gegeben. Hier liege man bei 492 Millionen Euro und nur um 3,6 Prozent über dem Haushaltsansatz. „Wir haben kein Indiz für die Kette: Kurzarbeit, arbeitslos, insolvent“, sagte Scheele.

Am Finanzbedarf ändern die neuen Zahlen laut Scheele nichts. Die Bundesagentur rechnet für 2020 weiter mit einem Defizit von mehr als 30 Milliarden Euro,  durch Mehrausgaben für Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld, aber auch durch Mindereinnahmen  aus der Arbeitslosenversicherung. Die Bundesagentur verfügte vor Corona über eine Rücklage von 26 Milliarden Euro, den Rest muss der Bund ausgleichen.

Es ist aber mit weiteren Tiefschlägen zu rechnen. Aktuell droht in einem großen Unternehmen ein deutlicher Arbeitsplatzverlust. Airbus will wegen  Corona-bedingter Flaute in der Flugzeugproduktion weltweit 15.000 Jobs streichen, in Deutschland 5100 von rund 46.000. Die Regierungen in Berlin und Paris haben die Pläne kritisiert.

Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit. Foto: imago images / Thomas Köhler / photothek.de

Volkswirte warnen vor allzu frühem Optimismus. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment, erwartet bis zu drei Millionen Arbeitssuchende 2020. Laut Scheele dürfte diese Zahl zumindest im Sommer nicht erreicht werden.  

Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo sagt für die zweite Jahreshälfte einen Aufschwung vorher - 6,9 Prozent im dritten Quartal, 3,8 Prozent im vierten - wenn Corona nicht stärker zuschlägt. Das werde den Einbruch in der ersten Jahreshälfte aber nicht ausgleichen. Insgesamt könnte die deutsche Wirtschaft 2020 im Vergleich zu 2019 um 6,7 Prozent schrumpfen.