Die Gratis-Verteilaktion von FFP2-Masken brachte Apotheken satte Extra-Einnahmen. Foto: Imago/photothek

Die kostenlose Abgabe von FFP2-Masken dürfte den Steuerzahler mehr als zwei Milliarden Euro kosten. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung haben Apotheken mit der Aktion große Gewinne gemacht.

„Wir haben die Masken für 1 Euro bis 1,50 Euro eingekauft“, erinnert sich Apotheker Detlef Glass an die Verteilung der FFP2-Masken an Corona-Risikogruppen, die vor Weihnachten begann. Im Januar und Februar gab es gegen Vorlage von Coupons weitere Gratis-Masken, insgesamt 15 pro Person. Der Bund kalkulierte dabei mit einem Erstattungspreis von sechs Euro pro Maske. „Wir haben uns dumm und dämlich verdient“, so Glass.

Dem Bericht zufolge hatten sich Fachabteilungen im Gesundheitsministerium mit Verweis auf „gravierende Finanzwirkungen“ gegen die Aktion ausgesprochen. Jedoch habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Gratis-Verteilung gegen das Votum persönlich durchgesetzt, wie interne Unterlagen beweisen, auf die das Recherche-Netzwerk verweist.

Lesen Sie auch: Nötiges Vorgehen bei Schulen ist klar: alles wieder zumachen!

Wie das Ministerium letztendlich auf die Summe von sechs Euro inklusive Mehrwertsteuer kam, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Tatsächlich planten Discounter im Dezember den Verkauf zertifizierter FFP2-Masken für nur einen Euro pro Stück. Die Drogeriekette dm etwa will dem Gesundheitsministerium sogar angeboten haben, als Abgabestelle für die Masken zu dienen, so dm-Chef Christoph Werner gegenüber WDR, NDR, und SZ.

Alle aktuellen News aus Politik & Wirtschaft finden Sie hier.

„Wahrscheinlich wäre es einfacher gewesen, allen Bürgern Masken zuzusenden, dann wäre der Umstieg auf die FFP2-Maske effizienter gewesen, man hätte mehr Leute erreicht und es wäre nicht teurer gewesen“, kritisierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die überteuerte Verteilaktion. In Bremen etwa wurde die Post beauftragt, innerhalb von zwei Wochen an alle 600.000 Bürger über 15 Jahre jeweils fünf Masken zu liefern – für einen Euro pro Maske.

Der Bund ging beim Start der Abgabe im Dezember von 27,3 Millionen Anspruchsberechtigten aus und überwies deshalb dem Apothekerverband 491,4 Millionen Euro. Dieser verteilte das Geld dann an die Apotheken. Diese erhielten einen festen Anteil, unabhängig davon, wie viele Masken sie tatsächlich verteilten. Im Schnitt gab es mehr als 25.000 Euro für jede Apotheke in Deutschland. Einige kündigten jetzt an, die Einnahmen oder Masken zu spenden.