Künftig sollen zwei Millionen Haushalte mit 4,5 Millionen Menschen Wohngeld erhalten. Nur wann ihr Antrag endlich bearbeitet wird, ist die große Frage.
Künftig sollen zwei Millionen Haushalte mit 4,5 Millionen Menschen Wohngeld erhalten. Nur wann ihr Antrag endlich bearbeitet wird, ist die große Frage. Robert Michael/dpa

Schon jetzt müssen Antragsteller oft monatelang auf Wohngeld warten – doch im neuen Jahr wird das noch viel mehr Geduld beanspruchen! Die anstehende Wohngeldreform wird nach Einschätzung von Experten zu einem wahren Antragsstau in den Behörden und zu weit längeren Bearbeitungszeiten führen.

Aktuell sind die Anträge innerhalb von zwei bis acht Wochen bearbeitet. Doch das dürfte ab 2023 oftmals noch länger als zwei Monate dauern. Zeit, in der Mieter dringend auf das Geld angewiesen wären! Aufgrund des deutlichen Anstiegs der Leistungsberechtigten und des Personalmangels in den Ämtern sei zu erwarten, dass sich die „bisherigen mehrmonatigen Bearbeitungszeiten der Anträge weiter verlängern und dadurch viele Haushalte nur zeitverzögert finanzielle Unterstützung erhalten werden“, erklärten die Autoren einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zum Thema.

Schnelle Auszahlung wird ausgebremst

„Leider wird eine schnelle Auszahlung aus verschiedenen Gründen ausgebremst: Dazu zählen die verschleppte Digitalisierung der Wohngeldstellen, die teilweise unnötig komplexen Antragsverfahren und das Problem der Kommunen, neue Verwaltungsstellen zu besetzen“, sagte IW-Experte und Studienautor Ralph Henger. Zur Bearbeitung der Anträge müsse mehr Personal eingestellt werden, was aufgrund des Fachkräftemangels nicht so leicht möglich sei.

Nach Berechnungen des IW-Mikrosimulationsmodells wird sich die Anzahl der Wohngeldhaushalte durch die Reform mehr als verdreifachen, von derzeit knapp 600.000 auf voraussichtlich zwei Millionen. Die jährlichen Ausgaben von Bund und Ländern dürften um fast das Vierfache auf 5,2 Milliarden Euro steigen.

Zentraler Reformbaustein ist nach Angaben des IW, dass ab 2023 nicht nur die Miete und die kalten Nebenkosten bezuschusst werden, sondern auch Heizkosten. Die Reform führt zu einem Anstieg des Wohngelds um durchschnittlich 190 Euro auf 370 Euro monatlich.

Beschlossene Vereinfachung der Antragsbearbeitung hilft nur wenig

Ebenfalls beschlossen wurden Vereinfachungen in der Verwaltung zur Bearbeitung der Wohngeldanträge. So können Wohngeldstellen eine vorläufige Zahlung leisten. Werden später Kleinstbeträge zurückgefordert, gilt eine Bagatellgrenze von 50 Euro. Die Regelung ist allerdings ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Antragsverfahren würden sich nur marginal beschleunigen, erklärten die IW-Experten.

In Deutschland gibt es rund 1400 Wohngeldbehörden. Jedes Jahr bearbeiteten die Stellen bislang nach eigenen Berechnungen 2,1 Millionen Wohngeldanträge. Bereits jetzt seien die Behörden in vielen Kommunen überlastet, hieß es.