Anthony Fauci wird auch unter dem künftigen US-Präsidenten Joe Biden Chefberater in Corona-Fragen. Foto: AFP/Saul Loeb

Anthony Fauci will sich nicht mit dem Gedanken ablenken, ein Prominenter zu sein. Im Jahr der Pandemie bildete der US-Immunologe ein Gegengewicht zu Donald Trump und verschonte die Amerikaner nicht mit düsteren Prognosen. Nun steht Fauci ein runder Geburtstag bevor.

Er warnt, er mahnt und macht Hoffnung: Anthony Fauci ist seit Anfang des Jahres nicht mehr aus dem amerikanischen Alltag wegzudenken. Der Wissenschaftler gilt seit Jahrzehnten als einer der herausragendsten Experten für Infektionskrankheiten in den USA. In der Corona-Krise ist er zu Amerikas Gesicht im Kampf gegen die Pandemie geworden - seine Berühmtheit reicht mittlerweile über die Zirkel der Wissenschaft und über die Grenzen des Landes hinaus. Seit Monaten versucht er, Antworten auf die drängendsten Fragen in der Pandemie zu geben, und verschont die Öffentlichkeit nicht mit düsteren Prognosen. Am 24. Dezember feiert der Immunologe seinen 80. Geburtstag.

Faucis Konterfei ziert Fan-Artikel vom Pullover bis zu Socken

In den USA ist es üblich, dass es von Ikonen irgendwann Fanartikel zu kaufen gibt. Faucis Konterfei prangt mittlerweile auf Pullovern, auf Socken und - wenig überraschend - auf Schutzmasken. In der Hauptstadt Washington ist sein Gesicht auf Aufstellern vor Wohnhäusern oder am Straßenrand zu sehen. Sie ermahnen die Passanten: Hört in der Pandemie auf Dr. Fauci und nicht auf x-beliebige Bekannte von der Highschool.

Eine Krankenschwester lässt sich mit einer Fauci-Figur aus Pappe fotografieren. Die Amerikaner vertrauen dem Mediziner mehr als ihrem Präsidenten. Foto: AP/Kent Porter

Als Prominenter zu gelten sei „surrealistisch und in mancher Hinsicht nett und amüsant“, sagte Fauci kürzlich dem US-Magazin People und macht sogleich deutlich, dass es ihm um etwas ganz anderes geht als um persönlichen Ruhm: „Ich bin ein Arzt. Ich bin ein Wissenschaftler. Und ich bin ein Beamter des öffentlichen Gesundheitswesens.“

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Seit 1994 leitet der Sohn einer Apotheker-Familie aus Brooklyn das Nationale Institut für Infektionskrankheiten. Ins Rampenlicht rückte der vielfach preisgekrönte Wissenschaftler während der Corona-Pandemie nicht nur wegen seiner Expertise, sondern auch wegen seiner Position in Donald Trumps Weißem Haus. Der Vater dreier Töchter wurde zur Stimme der Vernunft in der Pandemie und damit zum Gegengewicht zu Trump - der nicht dafür bekannt ist, der Wissenschaft und den Fakten zu folgen.

Trügerische Einigkeit: Anthony Fauci ließ sich auch von Donald Trumps Einschüchterungsversuchen nicht beeindrucken.  Foto: imago images/ZUMA Wire

Einschüchterungsversuche aus dem Weißen Haus

Als Trump in der frühen Phase der Pandemie fast täglich mit der Corona-Taskforce vor die Medien trat, scheute sich Fauci nicht, zu optimistische, zu weitreichende oder irreführende Aussagen des Präsidenten einzufangen. Diplomatisch, aber deutlich relativierte er im März etwa Trumps Werbung für das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin und stellte klar, dass es dazu keine ernsthaften klinischen Studien gäbe. Als Trump Hoffnungen auf eine rasche Rückkehr zum Normalbetrieb schürte, drückte Fauci auf die Bremse.

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Im Sommer sorgten Berichte in den USA für Aufsehen, wonach es im Weißen Haus Versuche gäbe, Fauci in Verruf zu bringen. Einschüchtern ließ sich der Gesundheitsexperte davon nicht. Auf die Frage, ob er unter solchen Umständen überhaupt weiter für die Regierung arbeiten wolle, sagte Fauci damals in einem Interview: „Ich will einfach nur meine Arbeit machen. Ich bin wirklich gut darin. Und ich werde sie weitermachen.“ Umfragen bescheinigten Fauci, dass die Menschen ihm mehr vertrauten als Trump.

Fauci hat unter allen US-Präsidenten seit Ronald Reagan gearbeitet. Der künftige US-Präsident Joe Biden hat längst klar gemacht, dass Fauci für ihn das Maß aller Dinge ist. „Wenn Dr. Fauci sagt, dass wir einen Impfstoff haben, der sicher ist“, werde er sich impfen lassen, sagte Biden etwa. Fauci soll Bidens Chefberater in Corona-Fragen werden - sobald der künftige Präsident sein Amt am 20. Januar angetreten hat.