In der niederländischen Stadt Urk wurde ein Impfzentrum angezündet. Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Die Bundesregierung stellt sich auf mögliche Angriffe auf Impfzentren, Impfstofftransporte oder auch Hersteller von Corona-Impfstoffen ein. Unter anderem, weil der Vegan-Koch und Verschwörungsfuzzi Attila Hildmann die Spritzen öffentlich für so verheerend erklärt hat wie es der Bombenangriff 1945 auf Dresden war. 

Zwar gebe es bisher keine konkreten Hinweise darauf, aber es bestehe wegen „der großen medialen Präsenz sowie der hohen Dynamik und Emotionalität“ des Themas eine „abstrakte Gefährdung“ der genannten Einrichtungen, heißt es in einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. 

„In diesem Zusammenhang sind insbesondere Proteste von Impfgegnern, Corona-Skeptikern und Verschwörungstheoretikern auch an Standorten der Produktionsfirmen, der Impfzentren und der Impfstoff-Lagerstätten einzukalkulieren“, heißt es in dem Schreiben des Ministeriums. Personen könnten versuchen, in die Einrichtungen einzudringen, um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen. „Dies könnte eskalierend mit Sachbeschädigungen in den Gebäuden einhergehen. In Einzelfällen könnte es bei Aufeinandertreffen mit dem beschäftigten Personal oder den Impfempfängern zu auch strafrechtlich relevanten physischen Übergriffen kommen.“

Drohungen gegen Impfzentren

Beim Kommunikationsdienst Telegram sei bereits in verschiedenen unter dem Namen „D-Day 2.0“ laufenden Gruppen erwogen worden, sich vor Impfzentren zu versammeln. Informationen über tatsächliche Versammlungen gebe es aber noch nicht. Die Nutzer und Organisatoren von „D-Day 2.0“, die mit dem Namen an die britisch-amerikanische Invasion 1944 erinnern, ordnet das Innenministerium dem verschwörungsideologischen Spektrum zu.

Es verweist zudem darauf, dass der dieser Szene angehörige Berliner Koch Attila Hildmann auf seinem Telegram-Kanal verbreitet habe, dass „die Spritzen in den Impfzentren den Bomben des Bombenhagels von Dresden“ glichen.  

Attila Hildmann vor dem Reichstag in Berlin.  Foto. imago images/Stefan Zeitz

Die Bundesregierung stuft zudem die Gefahr von Cyberangriffen auf die Impf-Einrichtungen als hoch ein. „Bis die Corona-Pandemie nicht global eingedämmt worden ist, bleiben sie ein attraktives Ziel für Angriffe, denen sowohl wirtschaftliche als auch staatliche Interessen zugrunde liegen können“, heißt es in den 18-seitigen Antworten des Ministeriums. Darin wird darauf verwiesen, dass es bereits solche Angriffe auf die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Biotech-Unternehmen Miltenyi Biotec im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach gegeben habe.

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Forschungseinrichtungen für Impfstoffe oder Produktionsstätten seien zudem potenzielle Ziele für Spionage und Sabotage durch fremde Nachrichtendienste. „Es sind mehrere mutmaßliche Ausforschungsversuche bezüglich deutscher Impfstoffhersteller bekannt geworden.“ Aufgrund der Bedeutung dieser Einrichtungen bestehe zudem grundsätzlich die Gefahr von Sabotage-Akten durch Nachrichtendienste über das Internet. Bisher gebe es aber keine Anzeichen für gezielte Angriffe dieser Art von staatlicher Seite.

Das Innenministerium weist außerdem darauf hin, dass Impfzentren und Lagerstätten, aber auch Transporte potenzielle Ziele für islamistischen Terror darstellten. Die Impfzentren seien Orte mit großen Menschenansammlungen, denen islamistisch motivierte Attentäter eine besonders hohe Bedeutung zumessen würden.

Die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic sagte den Funke-Zeitungen, der Sturm auf das US-Kapitol habe gezeigt, „wie schnell absurde Verschwörungserzählungen in Gewalt umschlagen“ könnten. Ihr Parteikollege Konstantin von Notz warnte, der Cyberangriff auf die europäische Arzneimittelbehörde EMA habe gezeigt, dass die Gefahr von IT-Angriffen, Spionage und Sabotage durch ausländische Nachrichtendienste „sehr real“ sei.