Der Gebrauch von Cannabis könnte mit der Ampel legalisiert werden.  Imago

Die Ampel-Parteien haben sich auf eine Legalisierung von Cannabis geeinigt. SPD, Grüne und FDP streben demnach eine „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ an. Ein Überblick über Argumente für und gegen eine Legalisierung. 

Wie sind die politischen Positionen in Bezug auf frei verkäufliches Cannabis?

Grüne und FDP befürworten seit längerem einen legalen, regulierten Handel mit Cannabis. Kinder und Jugendliche sollen vor Drogen geschützt werden. Die Linke hält die Legalisierung von Cannabis für überfällig. Weniger weit ging bisher die SPD. Sie befürwortete bislang eine regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in Modellprojekten. CDU und CSU lehnen eine Legalisierung rundweg ab. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) kritisierte die erwartete Cannabis-Legalisierung als „gefährlich“.

Was sind die Argumente für eine Legalisierung von Cannabis?

Befürworter einer Legalisierung wollen „den Schwarzmarkt für Cannabis austrocknen“. Dort seien Drogen unkontrolliert zugänglich, Kinder und Jugendliche seien ungeschützt. Als weiteres Argument wird die Entlastung von Polizei und Staatsanwaltschaften ins Feld geführt. Die Kriminalisierung von Konsumenten und die Verfolgung von Cannabis-Delikten binde Kräfte bei den Ermittlungsbehörden. Wenn Cannabis ähnlich wie Zigaretten besteuert werde, könnten laut FDP nicht zuletzt jährlich bis zu einer Milliarde Euro eingenommen werden.

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Eine kontrollierte Abgabe, so ein weiteres Argument, würde auch Gesundheitsrisiken durch verunreinigte Stoffe senken. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wechselte deswegen ins Lager der Legalisierungsbefürworter. In einem Zeitungsinterview verwies er darauf, dass illegal verkauftem Cannabis immer häufiger neuartiges Heroin beigemischt werde, das Cannabis-Konsumenten schnell in eine Abhängigkeit treibe. Dazu hat das Bundeskriminalamt bislang keine Informationen veröffentlicht.

Was ist dran an verunreinigtem Cannabis?

Das ist tatsächlich ein Problem. Der Deutsche Hanfverband, aber auch BKA und Zollkriminalamt warnen vor Cannabisprodukten mit synthetischen Cannabinoiden. Diese werden auf CBD-Hanf oder minderwertigen Cannabisblüten aufgetragen und sind laut Hanfverband bis zu hundertmal stärker als das in Cannabis enthaltene psychoaktive THC. Dadurch steige das Abhängigkeitspotenzial und die Gefahr einer Überdosierung. Zudem wird dem Hanfverband zufolge Gras mitunter mit allem Möglichen wie Sand, Haarspray, Talkum, Gewürzen, Glas oder Blei gestreckt.

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Welche Gesundheitsrisiken birgt Cannabis?

Gegner einer Legalisierung, darunter die Noch-Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU), verweisen auf die Gefahr von Psychosen und anderen Schäden an Gesundheit und Psyche. Die Reifung des zentralen Nervensystems und des Gehirns ist Experten zufolge mit 20 Jahren noch nicht abgeschlossen. Je früher, häufiger und intensiver Cannabis konsumiert werde, desto größer sei beispielsweise das Risiko gerade für vorbelastete Menschen, an einer Psychose und Schizophrenie zu erkranken. Daneben berge ein chronischer Cannabiskonsum auch eine größere Wahrscheinlichkeit für körperliche Leiden wie Atemwegserkrankungen und Hodenkrebs.

Welche Folgen gibt es noch nach Cannabis-Konsum?

Neben dem kurzfristig berauschenden Gefühl verringert Cannabis die Aufmerksamkeit und schränkt die Psychomotorik ein, also die durch psychische Vorgänge beeinflussten Bewegungen wie Gehen und Sprechen. Das Risiko für Arbeits- und Verkehrsunfälle steigt. Jugendliche, die Cannabis nehmen, haben häufiger Schulprobleme und brechen ihre Ausbildung öfter ab.

Was hat es mit dem THC-Wert auf sich?

Tetrahydrocannabinol (THC) ist eine psychoaktive Substanz, die in Hanfpflanzen vorkommt und neben Cannabidiol (CBD) einer der wichtigsten Inhaltsstoffe ist. THC wird der Hauptanteil der berauschenden Wirkung zugesprochen. Untersuchungen zufolge ist der THC-Wert in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Bei Cannabisharz, auch Haschisch genannt, verdreifachte sich der mittlere THC-Gehalt in etwa und bei Cannabisblüten verdoppelte er sich nahezu. Experten zufolge könnte damit auch eine Zunahme der Gesundheitsgefahren verbunden sein - was für Legalisierungsgegner ein weiteres Argument ist.

Laut Medizinern der Universität Ulm ist im Gegenzug in vielen hochgezüchteten Cannabissorten der Gehalt an Cannabidiol, dem eine entspannende bis angstlösende Wirkung nachgesagt wird, gesunken. Dieses Missverhältnis zwischen viel THC und wenig CBD sei ein erhöhtes Risiko für Cannabis-Psychosen.

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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte auf das Thema angesprochen am Freitag in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv: „Ich glaube, wir haben echt andere Sorgen. Ich brauche diesen Beschluss nicht.“ Er halte das für gefährlich und „mindestens für überflüssig“. Wüst nannte Regelungen in den Niederlanden als negatives Beispiel. Es sei dort etwa nicht gelungen, Cannabis aus dem illegalen Bereich des Drogenhandels zu verbannen. Clankriminalität in Verbindung mit dem Cannabishandel sei explodiert. „Manches, was man da theoretisch mit erreichen wollte, funktioniert einfach nicht.“