Begleitet von Kriegsschiffen lief das türkische Forschungsschiff „Oruc Reis“ am 10. Oktober in das umstrittene Seegebiet aus. Foto: -/IHA/AP/dpa

Athen/Ankara - Das türkische Forschungsschiff „Oruc Reis“ setzt seine Suche nach Erdgas im Mittelmeer fort. Das erhöht die Spannungen mit den Griechen, weil das Areal, in dem die Türken suchen, zum größten Teil der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Griechenlands gehört.  Seit Wochen verschärft sich der Ton zwischen den Nato-„Partnern“, mehrmals fiel das Wort Krieg.

Die „Oruc Reis“, seit Wochen in Begleitung von Kriegsschiffen der Türkei westlich von Zyperns unterwegs, soll jetzt bis zum 12. September Gas suchen, das Projekt wurde verlängert. Zuvor hatte ein anderes Schiff östlich von Zypern geforscht.

Die AWZ von Griechenland, Zypern und der Türkei sind ein Zankapfel, weil die griechischen Inseln Rhodos und Kastellorizo unmittelbar vor der türkischen Küste liegen und die Griechen daraus einen Anspruch auf  Meeresflächen ableiten.  Gleichzeitig beansprucht die Türkei Teile des Mittelmeers bis hin zum griechischen Kreta, weil sie zu ihrem Festlandssockel gehörten.

Die Karte zeigt die verworrenen Anspruchszonen von Türken, Griechen und Zyprioten. Sie macht erkennbar, dass die Ägäis nahezu vollständig griechisch ist, obwohl die Türkei eine lange Küste gegenüber von Griechenland hat. Karte: dpa

Ein internationaler Seerechtsvertrag sieht vor, dass sich Nachbarn in solchen Fällen fair einigen sollen, was jedoch bei den verfeindeten Staaten Türkei und Griechenland nicht gelingt: Das Osmanische Reich, aus dem die Türkei hervorging, hatte Griechenland bis 1827 unterjocht, nach dem Ersten Weltkrieg besetzte Griechenland Teile des türkischen Kleinasiens. Am Ende unterlag es, Millionen kleinasiatischer Griechen wurden 1922/23 vertrieben.

Versuche von Außenminister Heiko Maas (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ankara und Athen zu Gesprächen zu bewegen, blieben bislang erfolglos. Stattdessen gibt es eine hohe Dichte von Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen im umstrittenen Gebiet, Griechenland entsandte Soldaten nach Kastellorizo. Griechen, Franzosen, Italiener und Zyprer hielten Luft-See-Manöver ab.

Obwohl Experten und Diplomaten der Auffassung sind, dass die türkischen Vorstellungen nicht abwegig seien, hat sich das Land durch Drohungen ins Abseits gestellt und die EU, deren Mitglieder Zypern und Griechenland sind, sowie auch Ägypten gegen sich.

Die Türkei wiederum wittert griechische Ansprüche durch die Ausweitung seiner Hoheitsgewässer von gut elf auf etwas über 22 Kilometer. Athen hatte das für seine Küsten gegenüber Italien angekündigt. Würde Griechenland das auf die von griechischen Inseln bis vor die türkische Küste durchsetzte Ägäis und das östliche Mittelmeer ausweiten, wäre die Türkei weiter zurückgedrängt. Es würde auch mit  Wünschen der Türkei kollidieren, ihr maritimes Einflussgebiet auszudehnen.  Außenminister Mevlut Cavusoglu hatte erklärt, „das wäre ein Grund für einen Krieg“.  Ähnliche Drohungen stieß Präsident Recep Tayyip Erdogan aus: „Wir fliehen nicht vor dem Kampf.“