Die Talbrücke Rahmede der A45 bei Lüdenscheid ist so marode, dass sie abgerissen werden muss. dpa/Kay-Helge Hercher

Der Zustand der deutschen Autobahnbrücken ist einem Spiegel-Bericht zufolge noch schlechter als bislang befürchtet. Das ist das Ergebnis einer internen Untersuchung der bundeseigenen Autobahngesellschaft an den bundesweit 28.000 Brücken, über die das Nachrichtenmagazin berichtet.

„Sollten die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen an den Tausenden Bauwerken nicht im erforderlichen Umfang und zeitnah umgesetzt werden, wird es in den kommenden Jahren zu erheblichen Verkehrseinschränkungen bis hin zu Sperrungen von Brückenbauwerken kommen“, heißt es demnach in dem Schreiben aus dem Januar.

400 Brücken pro Jahr müssen erneuert werden

Es sei aber „absehbar“, dass viele vor 1985 gebaute Brücken mittelfristig erneuert, also neu gebaut werden müssten. „Nach ersten Berechnungen ist von mindestens einer Verdopplung von derzeit etwa 200 auf etwa 400 Autobahnbrücken pro Jahr auszugehen“, prognostiziert die Autobahngesellschaft.

Man wolle „für bestehende Bauwerke prüfen, ob die erforderlichen hohen Investitionen zur Anhebung der Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit für eine begrenzte Restnutzungsdauer noch wirtschaftlich vertretbar sind oder ob ein Ersatzneubau die bessere Lösung ist“, schreiben die Autobahnbauer.

Von der Bundesregierung und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) fordern sie mehr Geld sowie ein eigenes „Maßnahmengesetz“ nach dänischem Vorbild, mit der die Planungszeit verkürzt werden soll. Der Zustand der Autobahnbrücken ist durch die Sperrung der Talbrücke Rahmede der A45 im Sauerland Ende vergangenen Jahres in die Schlagzeilen gekommen.

Am Mittwoch befasst sich auch der Verkehrsausschuss des Bundestags mit der Problematik. Was in Berlin für erhebliche Unruhe sorge, sei die Einsicht, dass jahrelang der wahre Zustand der Brückenbauwerke von den zuständigen Landesbehörden viel zu rosig dargestellt worden sei, berichtet Spiegel weiter.

„Die Verantwortlichen wollten wohl Sanierungen in die kommenden Legislaturperioden verschieben“, sagt ein mit der Materie Vertrauter in der Hauptstadt dem Magazin. Denn Baustellen sorgen für Staus und Frust beim autofahrenden Wahlvolk.