Die Mieten in Berlin werden erstmal seit Jahren wieder günstiger.  Foto. imago images / Dirk Sattler

Hat der Mietenwahnsinn langsam ein Ende? Endlich sinken die Mieten bei Neuverträgen in Deutschland wieder. Wenn auch nur minimal. Im vierten Quartal 2020 lagen sie im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent niedriger. In 27 der 50 teuersten Städte ist das Wohnen günstiger geworden. 

Das zeigt der Wohnindex des Forschungsunternehmens F+B, der die Miet- und Preisentwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt misst. Grundlage sind die Angebotsdaten von mehr als 30 Millionen Objekten in ganz Deutschland.

Als Grund führt F+B auch die demografische Entwicklung an. Die Zuwanderung nehme leicht ab, zudem müsse mit einem deutlich erhöhten Sterbeüberschuss gerechnet werden. Die Corona-bedingen Sterbefälle seien hier bereits als verstärkender Faktor signifikant.

Mietpreise in Berlin sinken um 6,4 Prozent

Den stärksten Rückgang bei den Neuvertragsmieten verzeichneten die Experten in Kempten im Allgäu (minus 12,9 Prozent), gefolgt vom niedersächsischen Wunstorf (minus 9,9 Prozent). Aber auch in Freiburg ging es um 5,6 Prozent runter. Unter den größten Städten sanken in Frankfurt/Main die Neuvertragsmieten am deutlichsten: Dort ging das Mietniveau um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurück. 

Und auch in Berlin entspannte sich die Entwicklung weiter. Die durchschnittliche Neuvertragsmiete lag um 6,4 Prozent niedriger als vor zwölf Monaten beziehungsweise 1,4 Prozent unter dem Niveau von Herbst 2020. Die Hauptstadt rutschte damit im F+B-Index auf Platz 126 der teuersten Städte ab.

Doch es gibt auch Städte, für die diese Entwicklung nicht gilt. In Garmisch-Partenkirchen etwa stiegen die Neuvertragsmieten im vierten Quartal gegenüber dem dritten Quartal um satte 10,6 Prozent. In Rüsselsheim verzeichnete F+B einen Anstieg um 7,4 Prozent.

Trendumkehr durch Corona

Ganz anders auch die Entwicklung bei den Eigenheimen in Deutschland, die sich in der Corona-Krise erheblich verteuert haben. Der starke Preisanstieg bei Ein- und Zweifamilienhäusern setze sich fort, heißt es in der Studie von F+B. Demnach verteuerten sich Ein- und Zweifamilienhäuser im vierten Quartal 2020 im Schnitt um 8,2 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum.

Damit stiegen die Preise für Eigenheime noch stärker als die für Eigentumswohnungen (plus 5,3 Prozent). Schon im zweiten und dritten Quartal hatte F+B diese Entwicklung beobachtet. „Wir sind der Auffassung, dass die anhaltende Corona-Pandemie mit dem zweiten Lockdown seit Dezember hier einen nachhaltigen Nachfrageschub erzeugt hat“, sagte F+B-Chef Bernd Leutner.

Begehrt sind mehr Platz und Garten

Binnen fünf Jahren - von Ende 2015 bis Ende 2020 - haben sich Ein- und Zweifamilienhäuser um fast 38 Prozent verteuert, zeigt die Analyse. Damit stiegen die Preise für Eigenheime in dem Zeitraum stärker als die für Eigentumswohnungen (plus 32 Prozent). „Das ist total ungewöhnlich“, sagte Leutner. Denn langfristig zeigten Eigentumswohnungen, die auch bei Kapitalanlegern hoch im Kurs stehen, die größten Preiszuwächse. „Umso bedeutsamer ist die Trendumkehr“, sagte Leutner. Die Nachfrage nach Eigenheimen sei schon vor Corona-Krise stark gewesen, nun habe sich sie sich noch verstärkt.

In der Pandemie haben sich Wohnpräferenzen geändert, berichten Makler und Ökonomen. Viele Menschen legten angesichts von Lockdowns und Homeoffice mehr Wert auf größere Wohnflächen oder Platz im Freien. Das Umland von großen Städten werde damit begehrter.