Rekruten der taiwanischen Armee bereiten sich auf eine drohende Invasion Chinas vor. dpa

Seit Jahrzehnten bedroht China die Insel Taiwan mit einer Invasion, ein Land, das die chinesische Regierung als Teil Chinas ansieht. Taiwan jedoch versteht sich als eigenständiger Staat, der sich von China fundamental unterscheidet: Es gibt eine lebendige Demokratie, Schutzrechte für Minderheiten und den verbreiteten Willen, die Unabhängigkeit zu erklären. China will das verhindern, versucht, Taiwan zu isolieren und abhängig zu machen. Offiziell anerkannt wird Taiwan bislang nur von 13 kleineren und kleinsten Ländern, darunter der Heilige Stuhl und Haiti.

Stimmen in den USA mehren sich, Taiwan anzuerkennen

Das könnte sich jedoch bald ändern: Die Stimmen in den USA mehren sich auch angesichts des Ukraine-Krieges, einer möglichen Invasion Chinas in Taiwan zuvorzukommen. Ein Besuch von drei US-Senatoren in Taiwans Hauptstadt Taipeh am Freitag nahm China zum Anlass, militärische Spannungen anzufachen. Die Befürchtung steigt, im Schatten des Ukraine-Krieges könnte das mit Russland verbündete China die langjährige Drohung wahr machen und in Taiwan einmarschieren. Doch die taiwanische Armee ist auf entsprechende Pläne vorbereitet, wird von den USA unterstützt. Droht am anderen Ende der Welt nun ein blutiger Krieg, ist es vielleicht der Funke, der einen neuen Weltkrieg entfachen könnte?

Nach einer Mitteilung über die Übungen durch die Volksbefreiungsarmee teilte Außenamtssprecher Zhao Lijian am Freitag in Peking mit, die Manöver seien „eine Gegenreaktion auf das negative Vorgehen der USA und den jüngsten Besuch von US-Senatoren“ in Taiwan.

dpa/Taiwan Presidential Office
US-Senator Lindsey Graham mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen

Er verwies damit auf den überraschenden Besuch einer Delegation des amerikanischen Kongresses unter Führung des einflussreichen republikanischen Senators Lindsey Graham in Taipeh, die am Freitag mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen zusammentraf. China betrachtet Taiwan nur als Teil der Volksrepublik und lehnt solche offiziellen Kontakte seiner diplomatischen Partner mit der Regierung in Taipeh entschieden ab.

China: Auch Angriffe auf Taiwan bei Manöver geübt

Nach chinesischen Militärangaben wurden bei den Manövern im Seegebiet und Luftraum um Taiwan auch Angriffe geübt. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine wachsen die Befürchtungen, dass auch Peking seine wiederholten Drohungen mit der Eroberung der Insel wahr machen könnte. Die USA haben sich schon vor langer Zeit selbst der Verteidigungsfähigkeit Taiwans verpflichtet und liefern Waffen.

Mit ihrem Besuch wollen die US-Kongresspolitiker die „felsenfeste“ Unterstützung der USA für Taiwan demonstrieren. Bei dem Treffen mit Präsidentin Tsai äußerte Senator Graham scharfe Kritik an Peking und verwies auch auf dessen politische Rückendeckung für Russlands Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg.

„Wir beginnen damit, dass China einen höheren Preis für das bezahlt, was es überall in der Welt tut“, sagte Graham. „Die Unterstützung für Putin muss mit Kosten verbunden sein.“ Der Senator versicherte, dass die USA weiter an der Seite Taiwans stünden, sollte China seine Provokationen verstärken. Taiwan aufzugeben, bedeute, Demokratie, Freiheit und freien Handel aufzugeben, sagte der Senator.

Taiwan verweist auf russische Invasion in die Ukraine und fordert: Demokratische Allianzen stärken

„Russlands Invasion in die Ukraine beweist, dass Demokratien ihre Allianzen stärken müssen“, sagte Taiwans Präsidentin. „Gemeinsam können wir uns gegenüber den Bedrohungen autoritärer Systeme verteidigen, die regionalen Frieden stören wollen.“

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Trotz des chinesischen Säbelrasselns warf Pekings Außenamtssprecher vielmehr den USA vor, an den Spannungen zwischen China und Taiwan schuld zu sein, weil sie taiwanische „Unabhängigkeitskräfte“ unterstützten. „Wer mit dem Feuer spielt, verbrennt sich am Ende selbst.“ Die Taiwanfrage sei eine „innere Angelegenheit“ Chinas, die keine ausländische Einmischung erlaube.