Der Koch Ulrich Larsen vor einer nordkoreanischen Flagge: Er war der „Muldvarpen“ (Maulwurf), der die Nordkoreaner reinlegte.   Foto: Klaus Vedfelt, Wingman/DR/Muldvarpen/dpa

Kopenhagen - Wofür braucht man 007, wenn man einen Koch hat? Ulrich Larsen (44) hat in Zusammenarbeit mit dem dänischen Dokumentarfilmer Mads Brügger Machenschaften Nordkoreas aufgedeckt, mit denen das abgeschottete kommunistische Land UN-Sanktionen umgehen wollte. So zeigt es jedenfalls Brüggers Doku, die im dänischen Fernsehen gezeigt wurde. 

Das hat politische Folgen: Dänemark und Schweden wollen nun das Sanktionskomitee der Vereinten Nationen und die EU darüber informieren, was der Dreiteiler „Der Maulwurf - Undercover in Nordkorea“ ans Licht brachte.  Man sei sehr besorgt über den Inhalt und die  gezeigten Aktivitäten.

Ulrich Larsen (r.) bei einem Treffen der internationalen koreanischen Freundschaftsvereinigung KFA in Deutschland. An der Wand die einstigen Führer Nordkoreas, Kim Il-sung und sein Sohn Kim Jong-il (r.) Foto: Jonas Berlin/DR/Muldvarpen/dpa

In der Doku ist zu sehen, wie Larsen im Laufe von zehn Jahren zunächst die aus alten Kommunisten bestehende dänisch-koreanische und die internationale koreanische Freundschaftsvereinigung (KFA) mit dessen spanischem Chef infiltriert.  Der Koch,  krankheitshalber im Vorruhestand,  erlangt erst das Vertrauen innerhalb der KFA und schließlich auch von Vertretern der nordkoreanischen Führung.

Warum Larsen das gemacht hat? Anstoß war ein Film Brüggers über einen Besuch in Nordkorea, aber: „Also, ich weiß das selbst eigentlich nicht genau. Ich war immer nur ein ziemlich gewöhnlicher Mann. Ich denke, jeder Junge träumt davon, James Bond zu sein. Aber jetzt weiß ich, dass es heute nicht so funktioniert - Menschen erschießen und schnelle Autos fahren. Nur viel Zeit zum Reden und um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Es ist wie beim Poker, Sie müssen Ihre Karten richtig spielen, um zu gewinnen. Ich hätte nie gedacht, an einem Tisch in Nordkorea zu sitzen und Papiere zu bekommen, um Waffen zu kaufen“, sagte er dem „Guardian“.

Am Ende verhandeln er und ein vermeintlicher skandinavischer Geschäftsmann „Mr. James“ - ein Ex-Fremdenlegionär und Drogen-Dealer - mit hochrangigen Funktionären über den Kauf nordkoreanischer Waffensysteme und die Herstellung von Drogen. In Uganda - so die Doku - planen sie gemeinsam den Bau einer heimlichen unterirdischen Waffen- und Drogenfabrik. Auch wird der Plan ausgeheckt, wie ein Millionen-Deal zwischen Nordkorea, „Mr. James“ und einem jordanischen Ölhändler über die Bühne gebracht werden kann, damit Nordkorea an Öl kommt.

Hände hoch! Ulrich Larsen (r.) lernt vom Ex-CIA-Agenten „Max“ den Umgang mit der Pistole. Foto: Jonas Berlin/DR/Muldvarpen/dpa

Trotz der damit verbundenen Risiken werden die Unterredungen mit versteckten Mikrofonen und Kameras aufgenommen. Letztlich zeigt die Dokumentation somit auf, wie Nordkorea versucht, an Geld und Öl zu gelangen, und damit mutmaßlich gegen internationale UN-Sanktionen verstößt.  

Dass er sich dabei  Gefahren ausgesetzt hat, ist Larsen  bewusst: „Kein Zweifel, dass da jemand wütend wird. Ich habe ja einigen Leuten ziemlich ans Bein gepinkelt und gegenüber diesen Menschen unfassbar viel gelogen“, sagte er dem dänischen Sender.

In der Doku ziehen die Dänen schließlich die Handbremse: „Mr. James“ taucht ab, da der nächste Schritt gewesen wäre, tatsächlich die versprochenen Millionen für die Waffen auf den Tisch der Nordkoreaner zu legen. Und auch Larsen macht reinen Tisch, indem er seine Frau einweiht, die über all die Jahre nichts davon wusste. 

„Würdest du gerne nochmal Maulwurf sein?“, fragt ihn der Filmemacher. „Nicht auf die gleiche Weise“, sagt Larsen. Dann - fast James Bond - ergänzt er: „Aber man soll ja niemals nie sagen.“