Eine Familie flüchtet aus dem Gebiet der umkämpften Stadt Herat. Über 1000 Zivilisten wurden laut UN allein im Juli in Afghanistan getötet oder verwundet. AP/Hamed Sarfarazi

Die radikalislamischen Taliban  haben weite Teile des Afghanistans und mehrere Provinzhauptstädte erobert. Das wirft die Frage auf, wie sie das schaffen. Seit dem 1. Mai, als die internationalen Truppen ihren inzwischen abgeschlossenen Abzug begonnen hatten, hatten die Taliban ihre Offensive gestartet. Dabei können sie nach UN-Schätzungen von 2020 auf etwa 55.000 bis 85.000 Kämpfer zurückgreifen, dazu kommen lokale Milizen. Finanziert wird ihr Kampf mit Drogen.

Den Taliban gegenüber steht die Armee mit rund 185.000 Mann, die über Helikopter und Kampfflugzeuge sowie viele US-Waffen. Dazu kommen Polizei und Geheimdienste, zusammen mit der Armee über 300.000 Mann.  Wirklich kampfstark sollen nur die 56.000 Mann aus Spezialeinheiten sein, die jedoch an allen Ecken des Landes Nothilfe leisten müssen und überdehnt sind. Der Armeeführung wird häufig Inkompetenz und Korruption vorgeworfen.

Die afghanische Führung, die das benachbarte Pakistan der Unterstützung der Taliban bezichtigt, muss unterdessen auf Geld für den Krieg verzichten: Die Taliban haben Grenzübergänge erobert und nehmen Zoll ein.  Sie finanzieren sich vorwiegend mit Drogenhandel, haben mit der Provinz Helmand auch ein Hauptanbaugebiet von Mohn erobert.

Ein Mohnfeld im Osten Afghanistan: Mit dem daraus gewonnenen Opium machen die Taliban Geld. imago/Xinhua

Dort wird von den zuletzt jährlich etwa 6300 Tonnen afghanischen Opiums die Hälfte gewonnen. Insgesamt ist Afghanistan als größter Opiumproduzent die Quelle für 90 Prozent des Heroins auf der Welt. 

Weitere Einnahmen erzielen die Taliban mit dem Schürfen von Lapislazuli, das an chinesische  Schmuckhersteller verkauft werden soll, mit Steuern in den von ihnen eroberten Gebieten oder Erpressung.