Taliban-Kämpfer bei der Einnahme von Herat. AFP

Die radikalislamistischen Taliban haben zwei Drittel von Afghanistan unter ihrer Kontrolle. Kurz nachdem sie mit Herat die drittgrößte Stadt des Landes erobert haben, meldeten sie am Freitag den nächsten Erfolg: Auch Kandahar, die zweitgrößte Stadt des Landes, sei nun unter ihrer Kontrolle.

Die USA und Großbritannien schicken Soldaten, um Diplomaten aus Kabul zu evakuieren. Auch Deutschland rief alle Bundesbürger auf, das Land schnellstmöglich zu verlassen. Seit Beginn des Abzugs der US-Kontingente und der NATO-Verbündeten Anfang Mai überrollten die Radikalislamisten geradezu das Land und eroberten zahlreiche Regionen und Städte Afghanistans. Die afghanische Regierung kontrolliert neben Kabul lediglich noch eine Handvoll Gebiete.

Entscheidungen über Asylanträge ausgesetzt

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) setzt nach Informationen des „Spiegel“ alle Entscheidungen über Asylanträge von Afghanen vorerst aus. Am Mittwoch hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) entschieden, dass Abschiebungen nach Afghanistan vorerst ausgesetzt werden. Zuvor hatte Seehofer noch tagelang darauf beharrt, insbesondere Straftäter weiter an den Hindukusch abschieben zu wollen.

Helfer wollen in Afghanistan bleiben

Wegen des schnellen Vormarsches der Taliban stellen sich Hilfsorganisationen auf eine humanitäre Krise in Afghanistan ein. Trotz der Gefahr wollen viele Helfer vor Ort bleiben.

„Ich werde hierbleiben, solange das in irgendeiner Form möglich ist“, sagte Stefan Recker von Caritas International Kabul am Freitag im Deutschlandfunk. Er wolle auch ein Beispiel geben, dass nicht alle Ausländer weggingen. Die Afghanistan-Direktorin der norwegischen Flüchtlingshilfe Norwegian Refugee Council (NRC), Tracey Van Heerden, erklärte, die Eskalation des Konflikts mache zwar die Arbeit von Hilfsorganisationen schwieriger und gefährlicher. „Aber wir sind entschlossen, zu bleiben und zu liefern.“