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Magdeburg - Die neue Masern-Impfpflicht seit 1. März, der Corona-Schock – die Gesundheitsämter stehen vor enormen Aufgaben. Dabei fehlen ihnen aber die nötigen Ärzte, die Ämter seien kaum mehr in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen, schlagen Landesverbände Alarm.

„Bei den 14 Gesundheitsämtern des Landes stehen insgesamt 88 Arztstellen zur Verfügung, wovon 32 unbesetzt sind“, schildert das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt die desolate Lage. „Schon das Masernschutzgesetz bringt uns mit Sicherheit an die Grenzen im Land Sachsen-Anhalt“, mahnt e Eike Hennig, Vorsitzender des Landesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Die Gesundheitsämter müssen seit 1. März alle gemeldeten Fälle nicht altersgemäß geimpfter Kinder, Jugendlicher und Erwachsener seit dem Jahrgang 1970 verfolgen. Hinzu kommen alle Entwicklungen um das Coronavirus. Die Gesundheitsämter entscheiden etwa über Quarantäne, den Umgang mit Großveranstaltungen und eventuelle Schließungen von Kitas und Schulen.  

„In der Realität sind viele Gesundheitsämter aufgrund von Personalmangel – insbesondere Ärztemangel – und unzureichender Ausstattung kaum mehr in der Lage, ihren (hoheitlichen) Aufgaben nachzukommen“, warnte der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes schon Ende Januar. Dazu zählten neben den Aktivitäten im Infektionsschutz die Unterbringung von psychisch Kranken und die Sicherstellung der Überwachung des Trinkwassers. „Alarmmeldungen aus den einzelnen Bundesländern werden immer häufiger: Erste Gesundheitsämter müssen ganz ohne ärztliches Personal auskommen“, so der Verband weiter. Auch der Niedersächsische Städtetag hat bereits ein schnelles Eingreifen gefordert.

Auch Landesverbandschef Eike Hennig, der das Magdeburger Gesundheitsamt leitet, weist seit Jahren auf das Problem fehlender Mediziner in den Ämtern in Sachsen-Anhalt hin. Er sieht, dass sich die Lage verschärft: Zum einen wegen des Durchschnittsalters der Amtsärzte im Land von 60 Jahren, in den kommenden vier bis fünf Jahren gehen viele in den Ruhestand. Zudem sei kein Facharzt bereit, schlechter bezahlte Stellen als Amtsarzt anzutreten. Folge: Schon jetzt könnten Gesundheitsämter im Land nicht mehr alle Aufgaben im vollen Umfang erfüllen.

Das betreffe laut Hennig etwa die Untersuchungen bei den Kindern. Regulär werden die Einschüler untersucht, die Schüler der dritten und der sechsten Klassen. Das sei nicht mehr zu schaffen.