Karla Spagerer (92) berichtet als Zeitzeugin in Schulen von den Schrecken der Nazi-Diktatur. dpa/Uwe Anspach

Fußballstars, ein Astronaut, Schauspieler – sie alle haben am Sonntag eine große Aufgabe. Dann wählen zum Beispiel Fußball-Bundestrainer Hansi Flick, Komiker Klaas Heufer-Umlauf und Astronaut Alexander Gerst den neuen Bundespräsidenten. 1472 Mitglieder hat die 17. Bundesversammlung und längst nicht alle sind von Beruf Politiker.

So wie Karla Spagerer aus Mannheim. Die 92-Jährige ist die älteste Wahlfrau in der Bundesversammlung. Sie will damit ein Zeichen gegen die AfD setzen. Dabei mischt sich Karla Spagerer erst seit dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren politisch so richtig ein. Sie war 68 Jahre lang mit Walter Spagerer verheiratet, der sich bei der IG Metall, der SPD und für den Fußballklub Waldhof Mannheim engagierte.

Karla Spagerer will Erstarken der AfD verhindern

Die Motivation für ihr spätes Eingreifen sei das Erstarken der AfD gewesen, sagt Karla Spagerer. „Da habe ich gegen kämpfen wollen.“ Dass nun das CDU-Mitglied Max Otte als AfD-Kandidat gegen Steinmeier antritt, findet die 92-Jährige unerhört: „Die CDU müsste den hochkant rausschmeißen.“

Die Kölner CDU, zu der Otte gehört, hatte unmittelbar nach der Verkündung der Kandidatur Ottes ein Parteiausschlussverfahren beschlossen.

Als Würdigung dafür, dass sie als Zeitzeugin über die Nazi-Diktatur berichtet, erhielt die überzeugte Sozialdemokratin aus dem Mannheimer Arbeiterviertel den Platz in der Bundesversammlung. Als die SPD ihr die frohe Kunde überbracht habe, sei sie wie vom Donner gerührt gewesen. „Da ist mir die Spucke weggeblieben, das passiert mir nicht oft“, erzählt sie der Deutschen Presse-Agentur.

Karla Spagerer über Altkanzler Schröder: Er soll den Mund halten!

Zu den derzeitigen Spitzenpolitikern hat die resolute 92-Jährige eine klare Meinung, auch zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dem sie ihre Stimme geben will. „Das ist ein sehr angenehmer Mann.“ Bei Kanzler Olaf Scholz findet die Genossin gut, dass er „ruhig bleibt und nicht so aufgeregt ist“. Dass Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) sich in den Ukraine-Konflikt mit Russland einmischt, geht ihr mächtig auf den Geist. „Der soll seinen Mund halten, der hat seine Zeit gehabt.“