Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Hier sollen demnächst wieder zwei alte Kraftwerksblöcke ans Netz gehen. (Archivbild)
Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Hier sollen demnächst wieder zwei alte Kraftwerksblöcke ans Netz gehen. (Archivbild) dpa/Patrick Pleul

Not kennt kein Gebot, sagt das Sprichwort. Und da sich in Sachen Energieversorgung in der kalten Jahreszeit Strom-Engpässe einstellen könnten, muss der Klimaschutz mal hintenanstehen, heißt: wieder Strom aus Kohle produzieren. Als bittere Nachricht bezeichnete das der Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne), einzig vernünftige Entscheidung dürfte es von denen genannt werden, die wenig Lust auf kalte und dunkle Wohnungen haben.

Nun jedenfalls ist die Entscheidung gefallen: Zur Stärkung der Strom-Versorgungssicherheit haben ab diesem Samstag die Energieunternehmen RWE und Leag die rechtliche Möglichkeit, zusätzliche Braunkohlekraftwerke wieder ans Netz zu bringen. Es handelt sich um fünf Blöcke, die bislang in der Sicherheitsbereitschaft waren. Im Lausitzer Revier sind es die Leag-Kraftwerksblöcke Jänschwalde E & F, im Rheinischen Revier die RWE-Kraftwerksblöcke Niederaußem E & F und Neurath C. Sie dürfen zunächst befristet bis zum 30. Juni 2023 an den Markt zurückkehren. Die erforderliche Verordnung war erst am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet worden.

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Kohlekraftwerke ans Netz – aufwendige Vorbereitungen nötig

Wann die Blöcke in Jänschwalde genau ans Netz gehen, ist noch unklar. RWE hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass die drei RWE-Blöcke „in den kommenden Tagen in Betrieb gehen“ sollen. Ursprünglich war vorgesehen, dass sie am 30. September 2022 beziehungsweise am 30. September 2023 endgültig stillgelegt werden.

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Laut RWE gingen dem Wiederanfahren der Kraftwerke aufwendige Arbeiten voraus, um die Anlagen auf einen längeren Einsatz mit hoher Auslastung vorzubereiten. Das Personal wurde verstärkt, indem etwa Mitarbeiter erst später in den Vorruhestand gehen. Ein Sprecher des Betreibers Leag hatte gesagt, die Instandhaltungsarbeiten seien aufwendig, Bauteile seien ausgewechselt worden. Das Energieunternehmen habe zusätzliche Beschäftigte eingestellt.

Zwei Steinkohlekraftwerke aus der sogenannten Netzreserve sind bereits an den Markt zurückgekehrt. Weitere sollen in den kommenden Wochen folgen.

Die Braunkohleblöcke sollen in der Energiekrise dazu beitragen, dass weniger Erdgas verstromt wird. Sie haben eine Kapazität von zusammen 1,9 Gigawatt. Zum Vergleich: Die drei deutschen Atomkraftwerke haben jeweils eine Leistung von 1,4 bis 1,5 Gigawatt.