Windkraftanlagen produzieren günstigen Strom, doch Verbraucher müssen tiefer denn je in die Tasche greifen.
Windkraftanlagen produzieren günstigen Strom, doch Verbraucher müssen tiefer denn je in die Tasche greifen. dpa/Woitas

Seit Beginn des Ukraine-Krieges bereiten Stromversorger ihre Kunden auf massive Preiserhöhungen vor. Begründet wurde dies unter anderem mit massiv steigenden Einkaufskosten für den Strom. Der war zwar zwischenzeitlich auf Rekordhöhen gestiegen, ist inzwischen aber geradezu ins Bodenlose gestürzt. Doch die drastischen Preiserhöhungen für Privatverbraucher wurden bislang nicht zurückgenommen.

Strom ist für private Haushalte aktuell so teuer wie nie. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden im Jahr zahle derzeit im Schnitt 46,7 Cent pro Kilowattstunde, teilte das Vergleichsportal Check24 am Freitag mit. Im Vergleich zum Vormonat sei der Preis um neun Prozent gestiegen.

Verbraucher bezahlen im Schnitt 60 Prozent mehr für Strom

Für Januar gibt es laut Portal bereits 663 Fälle von Strompreiserhöhungen in der Grundversorgung. Betroffen seien 7,6 Millionen Haushalte. Die Erhöhungen betragen demnach im Schnitt 60,2 Prozent im Vergleich zum 30. September.

Der Strompreis an der Börse liegt laut Check24 im Dezember bislang bei durchschnittlich 325 Euro pro Megawattstunde. Im Gesamtjahr 2022 kostete eine Megawattstunde Strom demnach 235 Euro – im Jahr 2021 waren es im Schnitt 93 Euro gewesen.

Begründet wurden die Preissteigerungen unter anderem mit den Auswirkungen des Ukraine-Krieges und den daraus resultierenden Sanktionen gegen Russland. Tatsächlich war der Strompreis im Sommer 2022 zeitweise auf einen Rekordwert von knapp 700 Euro gestiegen, ist jedoch seitdem wieder massiv eingebrochen – auf zeitweise knapp über 40 Euro im Herbst. Im November stieg der Preis zwar wieder an, ist inzwischen aber wieder auf unter 200 Euro gefallen – ein Preis, der unter dem liegt, der vor genau einem Jahr fällig war.

Verrückte Strompreisentwicklung: Zwischenzeitlich war der Strom so teuer wie nie, ist dann aber wieder unter das Niveau von Ende Dezember 2021 gefallen.
Verrückte Strompreisentwicklung: Zwischenzeitlich war der Strom so teuer wie nie, ist dann aber wieder unter das Niveau von Ende Dezember 2021 gefallen. Screenshot bricklebrit.de

Strompreis war bereits 2021 zum Jahresende stark gestiegen, lange vor der Ukraine-Invasion

Tatsächlich war der Strompreis schon im vergangenen Jahr zum Jahresende stark angestiegen, ein Zusammenhang mit der Ukraine-Invasion ist abwegig. Vielmehr liegt nahe, dass die Eigenheiten der Preisfestsetzung an der Leipziger Strombörse (Stichwort Merit Order: hohe Preise beispielsweise für aus Gas produziertem Strom verteuert den viel günstigeren Ökostrom) das Gesamtpreis-Niveau spekulativ antreiben. Die Zeche für diese wilden Börsenspekulationen zahlt der Verbraucher. Forderungen aus der Politik, die Strompreis-Bildung an der Börse umzugestalten, sind bislang folgenlos geblieben.

„Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Preise einstellen“, erklärte Steffen Suttner von Check24. Gaskraftwerke seien essenziell im deutschen Strommix, um schwankende erneuerbare Energien auszugleichen. Die hohen Gaspreise bestimmten maßgeblich den Strombörsenpreis mit.