Das vererbte Häuschen der Familie kostet durch den Immobilienboom horrende Vermögensteuern. imago/bonn-sequenz

Angesichts der rasant gestiegenen Immobilienpreise wird das Erben des Elternhauses wegen der hohen Steuerlast für viele Bürger zur schweren finanziellen Bürde – und für eine wachsende Zahl unerschwinglich. Dies berichten das bayerische Finanzministerium, Eigentümerverbände und einzelne Hausbesitzer.

Von der Entwicklung getroffen wird eine wachsende Zahl von Familien, die keine Großverdiener sind und im Erbfall damit zu kämpfen haben, dass der Wert ihrer Häuser und Grundstücke in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen ist. Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) fordert vom Bund sowohl eine Erhöhung der Freibeträge als auch eine Regionalisierung der Erbschaftsteuer.

Nicht nur Luxusanwesen von Steuerlast betroffen

Seit 2009 hätten sich die Immobilienpreise in Ballungsräumen wie München teils verdoppelt oder verdreifacht. „Die Entlastungswirkung der Freibeträge ist damit kaum noch vorhanden“, sagt Füracker. „Es besteht die Gefahr, dass auf lange Sicht immer mehr Investoren Immobilien erwerben und vermieten, insbesondere in beliebten Regionen.“

Immer öfter können Erben Häuser nicht mehr halten, weil die Erbschaftsteuer zu hoch ist. imago/Sven Lambert

Die Entwicklung trifft nicht nur Erben von Luxusanwesen: „Viele unserer Siedler haben nach dem Krieg ihre Häuser gebaut, oft auf sehr großen Grundstücken“, berichtet Beatrice Wächter, die Geschäftsführerin des Eigenheimerverbands in Bayern. „Inzwischen ist es so, dass die Kinder nach dem Tod der Eltern die Häuser zum Teil nicht mehr halten können, weil die Erbschaftsteuer so hoch ist.“

Genaue Daten fehlen, doch das Phänomen beschleunigt mutmaßlich den Trend zur Verdrängung eingesessener Bewohner. „Bei der Erbschaftsteuer kommt hinzu, dass das Finanzamt die erzielbare Miete unterstellt, nicht die tatsächlich vereinnahmte“, sagt Sibylle Barent, die Leiterin des Bereichs Steuer- und Finanzpolitik beim Eigentümerverband Haus & Grund in Berlin. Private Kleinvermieter ohne Rücklagen stünden im aktuellen Marktumfeld „gezwungenermaßen immer häufiger vor der Frage, ob sie lieber an den institutionellen Investor veräußern sollen, anstatt die Immobilie an ihre Kinder weiterzugeben.“

Menschen dürfen nicht durchs Erben in finanzielle Nöte geraten

Aus Sicht der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag, Amira Mohamed Ali, muss grundsätzlich „sichergestellt werden, dass Menschen, die das Haus der Eltern erben, nicht in finanzielle Nöte geraten und erst recht nicht schlechter gestellt werden als Menschen, die mittels Steuertricks ihr Vermögen am Fiskus vorbei vererben können“. Wer allerdings ein größeres Immobilienvermögen erbe, „dem kann durchaus zugemutet werden, über die Erbschaftsteuer das Gemeinwesen mitzufinanzieren“, betonte sie.

CSU-Politiker Füracker fordert, es sei „dringend eine Reform der Erbschaftsteuer“ nötig: „Das Familienheim muss Familienheim bleiben können. Wenn Kinder das Eigenheim der Eltern verkaufen müssen, weil sie sich die Erbschaftsteuer nicht leisten können, dürfen wir das nicht hinnehmen.“

Seit 2009 hätten sich die Immobilienpreise in Ballungsräumen wie München teils verdoppelt oder verdreifacht. „Die persönlichen Freibeträge wurden jedoch 13 Jahre nicht angepasst. Die Entlastungswirkung der Freibeträge ist damit kaum noch vorhanden“, sagt Füracker. „Es besteht die Gefahr, dass auf lange Sicht immer mehr Investoren Immobilien erwerben und vermieten, insbesondere in beliebten Regionen“, sagt der CSU-Politiker.