Tomika Miller, die Witwe von Rayshard Brooks, verabschiedet sich mit ihren Kindern am Sarg des Verstorbenen. AP/Curtis Compton

Die Familie des Toten war ganz in Weiß gekleidet. Die Tochter von Bürgerrechts-Ikone Martin Luther King hielt eine bewegende Trauerrede. Dutzende Menschen nahmen Abschied von Rayshard Brooks, Opfer von mutmaßlich rassistischer Polizeigewalt in den USA. Der afroamerikanische Familienvater war nur 27 Jahre alt geworden.

Der Trauergottesdienst fand in der historischen Ebenezer Baptistengemeinde statt, in der schon Martin Luther King gepredigt hatte. „Ich kenne den Schmerz, ohne Vater aufzuwachsen“, sagte King-Tochter Bernice. „Es kann weder in Atlanta noch irgendwo in unserem Land Frieden geben, wo es keine Gerechtigkeit gibt. Keine Gerechtigkeit, kein Frieden!“ Sie beklagte, dass Atlanta nicht immun sei gegen das Problem des systematischen und strukturellen Rassismus. „Wir sollten heute nicht hier sein. Das alles hätte nicht geschehen müssen“, so King weiter. 

Brooks Tod bei einem Polizeieinsatz am 12. Juni hatte die landesweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA nach dem Fall George Floyd in Minneapolis weiter angeheizt. Brooks war am Steuer seines Autos  eingeschlafen, während er in der Drive-in-Schlange eines Schnellrestaurants wartete. Zwei weiße Polizisten stellten fest, dass er zu viel getrunken hatte, und wollten ihn festnehmen. Es kam zu einem Handgemenge. 

Brooks griff nach dem Elektroschockgerät eines Beamten und floh. Einer der beiden Polizisten feuerte Schüsse ab, die ihn im Rücken trafen und tödlich verletzten. Dem Beamten wird unter anderem Mord zur Last gelegt. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft ohne Bewährung oder gar die Todesstrafe. (mit dpa)